Dem Land Tirol die Treue

Nach 88 Jahren der Teilung Tirols wurde nun in Südtirol, infolge der monatelangen Diskussion über das Selbstbestimmungsrecht, die "Arbeitsgruppe Selbstbestimmung" ins Leben gerufen. In ihr werden Vertreter verschiedener mehr oder weniger politischer Gruppierungen und Organisationen ein Sensibilisierungsprogramm zur Frage der Selbstbestimmung durchführen. Als erste Maßnahme wurde in der Pressekonferenz vom 14. November 2006 die Broschüre "Südtirol – wo liegt deine Zukunft" vorgestellt. Der Vergleich Österreich-Italien, bzw. Südtirol-Tirol erbringt hier den Beweis, dass für Südtirol innerhalb Italiens weder eine politische, noch eine wirtschaftliche Sicherheit und Zukunft gegeben ist.
Ja, nach Jahrzehnten der Ruhe, in der man schon meinen konnte, die Südtiroler hätten sich bequem in ihrer Autonomie eingenistet, hätten Tirol und Österreich vergessen und würden nun ihren neuen Wohlstand genießen (böse Zungen behaupten, Italien hätte sich das Stillhalten der Südtiroler erkauft), "rührt" sich wieder was. Wie es weitergeht wird die Zeit zeigen, allein der beschrittene Weg der "Arbeitsgruppe Selbstbestimmung" weist bereits in die richtige Richtung.
Was ist mit Österreich?
Abgesehen davon, dass einer der Steine des Anstoßes zur jüngsten Selbstbestimmungsdiskussion die neuerliche Verankerung der "Schutzmachtfunktion" in der österreichischen Verfassung war, tut sich im offiziellen Österreich bezüglich Südtirol wenig bis gar nichts. Die Medien, sich ansonsten für nichts (aber auch für gar nichts) zu schade, schweigen sich aus und tun so, als ginge dieses "italienische Problem" ohnehin keinen Österreicher etwas an.
In Anbetracht des derzeitigen Fortwurstelns der „Bald-Kanzler-Partei“, bzw. der „Bald-nicht-mehr-Kanzler-Partei“ ist es verständlich, dass man auch ihn Wien derzeit seinen Kopf für etwas anderes braucht, zum Beispiel für einen zukünftigen Postenschacher. Wenn kümmern da die paar Südtiroler, die haben ja nicht einmal gewählt. Uninteressant also...
Viel interessanter wäre es, wie man in Österreich reagieren würde, wenn Südtirol doch eines Tages in Rom anfragen würde: "Dürft ich so frei sein, frei zu sein?". Wahrscheinlich würde man bis Wien wieder nichts mitkriegen und ganz konsterniert sein, wenn sich Tirol, ohne die Hilfe vom "Rest" und ohne Wien vorher einzuweihen, geschweige denn zu fragen, wiedervereinigen würde. Das wäre typisch österreichisch, typisch wienerisch, denn wirklich akzeptieren kann der Österreicher eine Lösung meist erst, wenn sie von "draußen" kommt. Also würden die Südtiroler (wiedereinmal) bestenfalls auf die politische Schützenhilfe Innsbrucks bauen können.
Woanders kräht heute kein Hahn mehr danach. "Südtirol ist in Italien", ist eine gängige Aussage, vor allem der Jugendlichen. Kein Wunder. Im Geschichtsunterricht lernt man höchsten, dass, natürlich nach dem vom Kaiser verursachten und prompt verlorenen 1. Weltkrieg, Südtirol an Italien kam. Basta. Man muss heute schon mehr als geschichtsinteressiert oder patriotisch (oder beides) sein, um in Österreich sein Herzblut zu Südtirol zu entdecken.
Was muss dann unsere Aufgabe sein?
55 Prozent der Südtiroler und 54 Prozent der Nord- und Osttiroler haben sich für eine Loslösung von Italien, bzw. eine Wiedervereinigung Tirols ausgesprochen. Dies gänzlich ohne jegliche Sensibilisierungskampagne oder Werbevorbereitung wie sonst bei diversen Umfragen üblich, sonder einfach aus freiem Empfinden heraus, in dem Bewusstsein, dass der gegenwärtige Zustand ein künstlich-erzwungener ist.
Wenngleich die Wiedervereinigung derzeit vielleicht unrealistisch erscheint, so erschien auch die Deutsche Wiedervereinigung vor den Jahren 1989 und 1990 als unmöglich – und doch geschah sie. Wie der Weg auch weitergehen mag, die Schwarz-Gelbe Allianz vertritt die Ansicht, dass dieser vorläufig über die Erweiterung der Autonomierechte für Südtirol gehen sollte. Dazu gehört eine eigene Südtiroler Exekutive aufzustellen, dem Land hoheitsrechtliche Befugnisse einzuräumen und dieses Hoheitsrecht gemeinsam durch Österreich und Italien zu repräsentieren. Die Möglichkeit einer Doppelstaatsbürgerschaft für die Südtirolerinnen und Südtiroler soll das Land enger an Österreich binden.
Es ist unsere Aufgabe als österreichische Monarchisten, nicht eher zu ruhen bis das Unrecht am Brenner beseitigt ist. Man muss sich der Tatsache bewusst werden, dass das Land Tirol zuletzt unter seinem Kaiser vereint war und dass, wer das "Schild und Herz Österreichs" stärkt, auch Österreich selbst stärkt. Dies und die vielbewährte Treue der Tiroler gegenüber Kaiser und Reich haben schon lange ein ganz besonderes Nahverhältnis zu uns Monarchisten geschaffen. Nicht zuerst und nicht zuletzt im Weltkrieg bewährte sich der Tiroler Traditionalismus und der österreichische Monarchismus.
Ja, was kann man tun? Mit Sicherheit hilft es oftmals bereits, wenn man sich als einzelner die Südtirolproblematik bewusst macht, wenn man weiß, dass die Brennergrenze eine Ungerechtigkeit vor der Welt und der Menschlichkeit darstellt. Es hilft auch, wenn man diese Tatsache auch anderen Menschen deutlich zu machen versucht und ihnen erklärt, dass kein Unrecht ewig wären darf. Es hilft weiters in jedem Fall, wenn man bei Gelegenheit diese Einstellung auch den südlichen Tirolern – besonders den Traditionsbewussten – mitteilt, denn die freuen sich immens, wenn man ihnen sagt, dass man sie "zuhause" nicht vergessen hat.
Broschüre "Südtirol, wo liegt deine Zukunft?" Broschüre "Südtirol, wo liegt deine Zukunft? - Teil 2 " (beide erstellt von der "Arbeitsgruppe Selbstbestimmung") |
