Tschechien - ÄŒesko PDF Drucken E-Mail
wappen_tschechien
Einwohner: 10,3 Mio
Landesfläche: 78.884 km²
Hauptstadt: Prag/Praha (1,3 Mio.)
Sprachen: Tschechisch, Slowakisch, Deutsch, Romanes
Völker: Tschechen (94,4 %), Slowaken (3,1 %), Sonstige (2,5 %)
Religion: Konfessionslose (59 %), Katholiken (26,8 %), Protestanten (2,3 %), Sonstige (11,9 %)
karte_tschechien

Im 6. nachchristlichen Jahrhundert wanderten die slawischen Stämme der Tschechen und Mährer, ihr Ursprung wird östlich des Dnjepr vermutet, in das Gebiet des heutigen Tschechien ein.

In der Folgezeit geriet das "Böhmen" (von lateinisch "Boiohaemum", das auf den keltischen Stamm der Boier zurückgeht) genannte Gebiet der Tschechen unter den Einfluss des Frankenreiches, während die Mährer ein eigens Fürstentum im heutigen Mähren errichteten. Dieses Fürstentum wurde bis zum Ende des 9. Jahrhunderts zum "Großmährischen Reich" ausgebaut und umfasste auch ganz Böhmen. Bereits zu Beginn des 10. Jahrhunderts zerfiel dieses Reich jedoch wieder, Böhmen kam in den (ost)fränkischen Einflussbereich, es war damit im weiteren Verlauf auch Teil des Hl. Römischen Reiches und wurde zunächst von einheimischen Herzögen bzw. Königen aus dem Geschlecht der PÅ™emysliden regiert. Vratislav II. wurde 1085 zum ersten böhmischen König gekrönt.

Ab dem 12. Jahrhundert erfolgte die intensive Besiedelung der böhmischen Randgebiete mit deutschsprachigen Siedlern, auch in Prag und anderen hauptsächlich tschechischen Städten lebten Deutsche und Tschechen zusammen. Nach dem Tod des letzten Babenbergerherzogs kamen große Teile des heutigen Österreich zu Böhmen. Ottokar II. von Böhmen verlor diese Gebiete 1276/78 an die Habsburger, die damit ihre Herrschaft über Österreich begründeten.

In den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert entluden sich die nationalen, sozialen und interkonfessionellen Spannungen unter anderem auch zwischen den tschechisch- und den deutschsprachigen Böhmen. Der gleichzeitige Kampf um die böhmische Krone zwischen dem ungarischen König Mátyás Corvinus und dem polnischen Jagiellonen-Geschlecht wurde im Frieden von Olmütz 1479 beendet, beide teilten sich die Herrschaft über den böhmischen Staatsverband. Nach dem Tod von Corvinus wurde der Jagiellone Ladislaus alleiniger König von Böhmen. Sein Nachfolger Ludwig II. König von Böhmen und Ungarn fiel 1526 in der Schlacht von Mohács gegen die Türken, die böhmische Krone kam, ebenso wie Ungarn, unter Ferdinand I. zum Habsburgerreich.

Die 1618 ausgebrochene Rebellion der protestantischen böhmischen Stände gegen den katholischen Kaiser wurde zwar niedergeschlagen, die durch das folgende Strafgericht aufgerissenen Wunden vergifteten jedoch das habsburgisch-tschechische Verhältnis auf lange Zeit, außerdem weitete sich der innerösterreichische Konflikt zu einem Mächteringen europäischer Dimension aus. Am Ende des 30. Jährigen Krieges gingen die beiden vormals zu den böhmischen Nebenländern gehörenden Lausitzen an Sachsen verloren, in den drei Schlesischen Kriegen Mitte des 18. Jahrhunderts fiel auch Schlesien an Preußen.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts an kam es zu einer tschechisch-nationalen Strömung, die die Verwendung der tschechischen Sprache und mehr politische Autonomie gegenüber dem habsburgischen Zentralstaat forderte. Diese Strömung fand in der niedergeschlagenen Revolution von 1848 ihren Höhepunkt. Während der folgenden Industrialisierungsphase entwickelte sich Böhmen zum industriellen Rückgrat der Donaumonarchie.

Im Zuge des Ersten Weltkrieges bildete sich im französisch-britisch-amerikanischen Exil eine für die Unabhängigkeit eintretende tschechische und slowakische Opposition, die von Tomáš G. Masarýk angeführt wurde. Während von Seiten der "Alliierten" bis 1917/18 keine derartigen Bestrebungen ernst genommen wurden, anerkannten diese jedoch die tschechoslowakische Exilregierung in der Folge der Sixtus-Affäre und machten damit die Zertrümmerung Österreich-Ungarns in seine Bestandteile zu einem Kriegsziel. Mitten im Zusammenbruch der Monarchie wurde am 18. Oktober 1918 die Tschechoslowakische Republik gegründet, die auch die bis dahin zu Ungarn gehörende Slowakei umfasste.

Die deutschsprachigen Randgebiete in Böhmen und Mähren erklärten zwar ihren Beitritt zu Deutsch-Österreich, im Diktatfrieden von St.-Germain wurde dies jedoch untersagt. Rund 3,5 Millionen deutschsprachige Österreicher blieben somit außerhalb der neuen österreichischen Republik. In den 20er Jahren entwickelte sich die Tschechoslowakei zu einem relativ vorbildlichen Staat was den Schutz vor allem der deutschsprachigen Minderheiten innerhalb seiner Grenzen betraf.

Die Situation änderte sich jedoch mit Hitlers Machübernahme 1933 und der Gründung der Sudetendeutschen Partei im selben Jahr. Das Münchner Abkommen von 1938 legte ohne Zustimmung Prags die Abtretung der Grenzgebiete an Deutschland fest. Entgegen den Vereinbarungen in München besetzten deutsche Truppen im März 1939 auch die "Resttschechei" und errichteten den ganzen Krieg über im "Protektorat Böhmen und Mähren" eine Terrorherrschaft. Die Slowakei wurde als deutscher Vasall unabhängig. Nach Kriegsende und der Befreiung durch die Alliierten wurden die deutschen Minderheiten in den Sudetengebieten vertrieben und ein kommunistischen Regime installiert.

Nicht nur der tschechoslowakische Staat hatte sich dadurch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, auch die Republik Österreich sorgte dafür, dass die zu Millionen aus Böhmen geflüchteten Deutschsprachigen größtenteils nach Deutschland weitergeleitet wurden, obwohl es sich dabei in erster Linie um (Alt-) Österreicher, nicht um Deutsche handelte.

1968 wurde der vom Vorsitzenden der Kommunisten Partei Alexander Dubček vorangetriebene "Prager Frühling" (mehr politische, wirtschaftliche Öffnung, Menschlichkeit im Sozialismus, etc.) brutal von Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen, jedoch konnte im Zuge des Zusammenbruchs des Kommunismus 1989/90 die Tschechoslowakei in einen demokratischen Rechtsstaat umgewandelt werden. 1993 trennten sich die beiden Teilstaaten der Tschechoslowakei, Tschechien und die Slowakei, einvernehmlich. 1999 trat Tschechien gemeinsam mit Polen und Ungarn der Nato bei und am 1. Mai 2004 auch der Europäischen Union.

In der Tschechischen Republik setzt sich vor allem die Koruna ?eská, die Monarchistische Partei Böhmens, Mährens und Schlesiens, für die Monarchie ein.

 

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