Minderheit und Nationalrepublik PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 16. März 2010 um 11:00 Uhr

Der Rat der Kärntner Slowenen hat seine Selbstauflösung angekündigt. Ein Schritt, der einstimmig beschlossen wurde. Er zeigt nicht nur die offenkundige Verzweiflung der Kärntner Slowenen, er entlarvt auch erneut die Gefahren nationalstaatlicher Politik.

Seit der Begriff der Nation sich auch auf die Sprache auszudehnen begann, waren die Kärntner Slowenen Spielball fremder Interessen. Von den Nazis wurde versucht, sie in feindliche "Slowenen" und germanophile "Windische" zu spalten, Jugoslawien probierte die Expansionspolitik auf ihrem Rücken aus, und nun, nach 60 Jahren der Tätigkeit des Slowenenrates, müssen wir hören, dass sich scheinbar nichts geändert hat.

Der Rat löst sich auf, weil es scheinbar für Minderheiten keine Zukunft gibt. Wien unterstützt die Kärntner Slowenen nur soweit, wie es angesichts der Tatsache, dass Kärnten als Bundesland schließlich unter Führung eines Deutschsprachigen steht, gangbar ist. Slowenien wiederum unterstützt die Kärntner Slowenen nur soweit, als sie auch im Konsens mit der Regierung in Laibach stehen. Das Ergebnis: Die Minderheit wird aufgerieben, weil sie gezwungen ist, entweder österreichisch oder slowenisch zu sein beides ginge ja nur in einem Vielvölkerstaat.

Österreich ist ein klassisches Land der Minderheiten, egal, ob als Großreich vor hundert Jahren oder als Alpenrepublik heute. Österreich hat eine Aufgabe, diese Reste, die von der vornationalen Zeit, in der die Sprache noch kein Politikum war, zu erhalten und in ihrem bestehen zu fördern. Doch niemand will den Wert derjenigen Menschen anerkennen, die tatsächlich Grenzen einreißen können, weil sie gleichwertig auf beiden Seiten stehen.

Letztendlich zeigt sich hier eine himmelschreiende Heuchelei. Man hört gern die Chöre der Kärntner, die Zigeunermusiken der Roma, die Tamburitzas der Kroaten aber nur auf der Bühne. Im echten Leben möchte man bitteschön doch lieber Deutsch reden und ist froh, wenn man einem Roma oder Kroaten einfach die Gage für einen Auftritt zahlen kann, ihn aber nicht einstellen muss. "Mia han mia", und manche sind eben eher "mia" als andere.

Die einzige Person, die sich im konkreten Fall Kärnten aufrichtig verhält, ist traurigerweise Landeshauptmann Dörfler. Er zeige sich erfreut über die Auflösung, und Dörfler ist ehrlich (und wohl auch dumm) genug, den Deutschtümler offen raushängen zu lassen. In der ganzen Fatalität der Situation hat er den Slowenen wenigstens nie etwas versprochen, was er nicht eingehalten hat. Wien hingegen hat sie im Stich gelassen, Laibach will sie auch nicht als einziges Zentrum bliebe jetzt noch Klagenfurt, und wir wissen, wie abstrus allein die Vorstellung angesichts des herrschenden Deutschnationalismus" ist.

Es bleibt nur, den Kärntner Slowenen zu wünschen, sich nicht unterkriegen zu lassen, und auf ihr Bestehen, ja überhaupt auf ihr Vorhandensein als Farbklecks zusammen mit den anderen Minderheiten auf der grauen Fläche der mitteleuropäischen Republiken zu pochen. Anderenfalls werden wir nicht erst unseren Enkeln, sonder schon unseren Kindern von den Slowenen erzählen können, die es in Kärnten einmal gab.

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