Gedanken zum Minarett-Bauverbot PDF Drucken E-Mail
Montag, den 30. November 2009 um 22:02 Uhr

minarettWieder einmal büßen viele Muslime für die Taten weniger und die Unwissenheit ihrer christlichen Mitbürger.

Das Grundproblem ist: Alle haben Angst. Die Angst dominiert schon seit langer Zeit die Politik. Angst ist ein beliebtes Mittel Mächtiger, sich Macht zu verschaffen - immerhin kann man Menschen, die sich fürchten, viel leichter dominieren. Angst kann auch leicht auf eine kleine Gruppe konzentriert werden, mit nur einem Ziel: Diese Gruppe verschwinden zu lassen, sich selber nicht ängstlich, sondern überlegen zu fühlen, stärker zu sein. An diesem Punkt wird aus großer Angst ebenso große Wut und Aggression.

Das ist vor siebzig Jahren passiert, als die öffentliche Angst bewusst gegen die Juden gelenkt wurde. Dasselbe passiert derzeit im Nahen Osten, wo Juden gegen Araber vorgehen und vice versa. Dasselbe geschieht jeden Tag auch hier in Österreich, wenn die Schuld an so vielen Versäumnissen des Staates pauschal den Zuwanderern in die Schuhe geschoben wird.

Angst und Zorn dominieren spätestens seit dem 11. September 2001 auch den Umgang der "westlichen Welt" mit dem Islam. Seit damals scheinen alle historischen Konfrontationen mit dieser Religion lebendiger denn je zu sein. Das Bedrohungsszenario der Türkenbelagerungen, der Arabischen Expansion spielt plötzlich wieder eine Rolle - der Islam wird als aggressive Religion der Teppichhändler und Kopftuchträgerinnen wahrgenommen. Dabei will man weder die Parallelen zur eigenen Kultur sehen (besonders zum Kopftuch als häufiges Element in mitteleuropäischen Trachten), noch, dass der Islam bereits seit Jahrhunderten Teil Europas ist. Bosnien, Albanien, weite Teile des Balkans sind muslimisch, ohne dass dadurch die christliche Grundidentität Europas gefährdet würde.

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass in vielen islamischen Ländern eine prekäre Menschenrechtslage herrscht - doch hier ist die Politik zu verdammen, nicht die Religion! Würden wir die Gesetze Mose in allen Bereichen wörtlich durchführen, wäre die Steinigung auch bei uns auf der Tagesordnung. Wichtig ist die Art, wie die Religion gelebt wird: Ein europäischer, aufgeklärter Islam ist nicht nur ein beschönigtes Bild, sondern in den meisten Fällen bereits Realität.

Das Minarettverbot in der Schweiz straft den in allen Fällen zu verurteilenden islamischen Extremismus, der im Endeffekt ebenfalls nichts als konzentrierte Angst ist. Es straft ihn aber mit den falschen Mitteln, denn hier werden nun wieder alle gemeinsam zum Feindbild erklärt, nicht nur die tatsächlichen Übeltäter. Es ist eine Pauschalstrafe, die viele für die Taten weniger straft, und noch dazu nicht für Begangenes, sondern für möglicherweise in der Zukunft Geschehendes.

Der Status der Schweiz als Vorzeigerechtsstaat bröckelt in den letzten Jahren - spätestens, seit bekannt wurde, dass bis 1974 Roma und Jenische zwangssterilisiert und ihrer Kinder beraubt wurden, und spätestens, seit man weiß, dass bis in die Neunziger viele Kantone Angehörigen dieser Gruppen die Einreise verweigerten. Mit dem Verbot des Baus von Minaretten gefährdet die Schweiz sich selbst - zusätzlich sendet sie ein Signal an alle Radikalen in Europa, die ähnliches planen, und an alle Fundamentalisten in der islamischen Welt, die nun endlich einen handfesten Grund haben, den Neubau von Kirchen zu verbieten.

Keine Frage: Es bestehen Probleme mit manchen muslimischen Zuwanderern - darauf bezogen stehen die Monarchisten auch auf dem klaren Standpunkt, dass jeder, der in Österreich dauerhaft lebt, auch die hier herrschenden Gesetze zu respektieren und zu befolgen hat. Doch auch hier gilt: Die Religion und die Gläubigen dürfen nicht mit der Schuld Einzelner beladen werden.

Allen, die in Österreich eine zweite Heimat gefunden haben, muss die Ausübung ihrer Religion und damit der Bau dazugehöriger Gebäude, sofern ersteres in Einklang mit der Verfassung ist und letzteres mit der Ästhetik der Umgebung harmoniert, erlaubt sein!

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