Wie die Parteien unser Heer ruinieren - Kommentar eines Insiders PDF Drucken E-Mail

Ich glaube beides - Berufsheer und Wehrpflicht - hat etwas für sich. Nach meinen Erfahrungen in der Miliz und auch in der GWD-Zeit ist dieses Heer sowas von irreparabel kaputt, seelenlos (!) und innerlich verrottet, dass es fast eine Schande ist, z.B. seinen Sohn guten Gewissens dort hinzuschicken. Und das sage ich als ausgesprochener Militärfreund (böse Zungen behaupten: Militarist ). Es könnte also der derzeitige Zustand des Heeres für einen kompletten Neubeginn im Sinne eines Berufsheeres sprechen.

Dagegen spricht meiner Meinung nach aber die gesellschaftspolitische Verantwortung, die das Verteidigungsressort trägt/tragen sollte (Stichwort: "Verankerung der Armee in der Bevölkerung", Erziehung der männl. Jugend zu Werten, Gemeinschaftsgefühl und Unterordnung abseits der materialistisch orientierten Wohlstands-, Ego-, Ellenbogengesellschaft). Wir wissen aber alle -  und ich glaube ich brauche es nicht extra auszuführen, was ich meine, wenn ich sage, dass es mit "Neubeginn" in Österreich generell und in dieser Republik im Speziellen so eine Sache ist. Vor allem, wenn Parteipolitik im Vordergrund steht und nicht die Sache an sich.

Ich habe mir kürzlich den Wahlzettel für die Briefwahl vom Amt geholt, weil ich erstens mein Wahlrecht grundsätzlich wahrnehmen will und zweitens mir die Gaudi machen will, den Herrschaften irgendwas Nettes auf den Wahlzettel zu schreiben. Ernsthaft abstimmen werde ich nicht, weil sich durch die Volksbefragung - egal wie diese ausgehen mag - nichts im Bereich des Bundesheeres ändern wird. Das muss jedem klar sein: mit dem derzeitigen Budget ist weder ein vernünftiges Berufsheer zu machen, noch die derzeitige Wehrpflichtigen"armee" zu reformieren. Eine Budgeterhöhung im Landesverteidigungsbereich ist politisch jedoch nicht vermittelbar und eine tatsächliche Umkrempelung des Heeres, das ja Zeit und Ressourcen braucht, weder von einer Bevölkerungsmehrheit noch von der Politik gewünscht. Damit ist für mich jede Debatte und "Volksbefragung" als das zu entlarven, was kluge Zeitungskommentatoren seit Monaten beschreiben: eine Maßnahme der beiden Massenparteien zur Wählermobilisierung.

Der letzte Rest an Reputation, den dieses Heer in der Bevölkerung noch hatte (und es wird völlig egal bleiben, aus welchen "Deppen der Nation" es in Zukunft besteht - berufliche oder wehrpflichtige), wird von den Parteien bedenkenlos hingeopfert, wenn es nur zweckdienlich ist.

Eine sachliche Debatte? Fehlanzeige. Eine professionelle Zurückhaltung des Ministeriums in der Debatte - immerhin ist das Ministerium und seine Mitarbeiter vom Minister abwärts ja für die Führung und Verwaltung des Heeres in seinem jetzigen Zustand verantwortlich - ebenfalls Fehlanzeige. Stattdessen desavouiert der Minister und sein Stab all jene, die Grundwehrdienst leisten, geleistet haben oder noch leisten werden bzw. mit deren Betreuung/Ausbildung/Führung befasst sind oder befasst waren als von vorne herein "entbehrlich".