„Den Opfern von Republik und Kleinstaaterei“ ... PDF Drucken E-Mail

… stand auf dem Kranz, den die SGA am 12. November am Republikdenkmal niedergelegt hat. Der eine oder andere mag sich gewundert haben, was damit gemeint sein könnte. Leben wir denn in keinem Rechtsstaat? Geht es uns nicht gut?

Aber ja: Auch wenn wir im Wohlstandsindex, dessen Top drei freilich wieder einmal Monarchien belegen, auf einen immer noch einigermaßen respektablen 16. Platz zurückgefallen sind, auch wenn die Wirtschaftskrise natürlich auch uns betrifft: es geht uns gut – den allermeisten und noch immer, mögen auch die Fundamente unseres sozialen Friedens und Wohlstands zunehmend zu bröckeln beginnen und sich die grauen Wolken am Himmel nicht und nicht verziehen wollen.

Relativ gut geht es uns nun schon seit mehr als 60 Jahren.

Also, was dann: Wer sollen diese ominösen Opfer von Republik und Kleinstaaterei denn eigentlich sein? Sind Leute, die das so sehen, allesamt „mieselsüchtige Koffer“, ein Begriff, den  der Wiener Bürgermeister all jenen zugedacht hat, die trotz der offiziellen Informationskampagnen nicht und nicht einstimmen wollen in den wohlklingenden Chor der Gesundbeter und hauptberuflichen Schönredner?

Man könnte wohl mit einigem Recht davon sprechen, dass wahre Demokratie und die Mitbestimmung durch uns Bürger ein Opfer der Republik geworden sind – einer Republik, in der der Bürger mit seiner Stimme auch jede Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeit an die Parteien abgibt, doch darum soll ausnahmsweise einmal nicht gehen.

Am 12. November versammelten sich vor dem Denkmal der Republik Monarchisten, um all jener Menschen aus Fleisch und Blut zu gedenken, die die Katastrophen, die eine völlig klare und unausweichliche Folge der mutwilligen Zerschlagung unserer größeren Heimat waren, mit dem Verlust ihres Lebens oder ihrer Lebensgrundlagen bezahlen mussten: Kaum jemand weiß, dass es bereits am Tag der Ausrufung der Republik heute vor 94 Jahren hier, vor dem Parlament, zu Tumulten gekommen ist, die zwei Menschen mit ihrem Leben bezahlen mussten: Zwei Menschen lagen in ihrem Blut: als das Weiss aus der Rot-Weiss-Roten Fahne gerissen wurde.

Was unseren Kinder in der Schule schamhaft verschwiegen wird, ist, dass der erste Massenexodus , die erste Vertreibung, nicht erst 1938, sondern schon 1918 stattfand: Die kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt Wien hat in den ersten Tagen und Monaten des wahnwitzigen republikanischen Experiments etwa 200.000 Bewohner verloren, fast ein Zehntel, die ihr Heimatrecht in einem anderen Teil Österreichs als dem deutschen hatten und die daher ausgewiesen wurden. Ob sie dabei auf der Straße landeten, hat die Behörden nicht interessiert. Das betraf jeden, der in einem der anderen Nachfolgestaaten geboren worden war, also auch Kinder von in Czernowitz, Triest oder Pola stationierten Offizieren, aber auch Prominente wie Alois Musil, besser bekannt als Musil von Arabien, Gegenspieler des in britischen Diensten stehenden Lawrence von Arabien. Musil, Cousin des Schriftstellers Robert Musil, wurde nach dem Ende der Habsburgermonarchie in die Tschechoslowakei ausgewiesen – aufgrund seiner „klaren Zuordnung zur tschechischen Kultur“ – was immer das sein soll.

Tote waren zu beklagen, als Rot und Schwarz um die Vorherrschaft in der Ersten Republik rangen, denn beide erhoben Besitzansprüche auf unser Land, dessen Bürger kein Kaiser mehr beschützen konnte: Schattendorf, Justizpalastbrand, Bürgerkrieg sind die Stationen auf dem Weg in den Untergang der Ersten Republik. Von den Opfern der Jahre zwischen 1938 und 1945 aus politischen wie aus rassischen Gründen wollen wir hier nicht reden, das kennt jeder von uns aus dem Geschichtsunterricht und die Zahl der Vertriebenen, Gefallenen, Vernichteten würde hier jeden Rahmen sprengen. Auch eine Republik übrigens, Hitlers Drittes Reich, auch wenn sie sich nicht so nannte. Unser angestammtes Herrscherhaus wurde abermals enteignet und militärisch verfolgt.

Und nach 1945 wieder Angst, Elend, Tod und Vertreibung: Diesmal in den Volks-Republiken rings um Österreich, sei es aus der CSSR oder aus Jugoslawien.

Und warum würdigen wir die Opfer der Kleinstaaterei? Ganz einfach: Weil Mitteleuropa, zersplittert in eine Reihe von nationalen Kleinstaaten und Republiken, zuerst dem braunen und dann dem roten Terror, Hitlers und Stalins Truppen, nichts entgegenzusetzen vermochte. – Was hätten wir übrigens mächtigeren Staaten und Staatsverbänden, die zu wissen glauben, was für uns gut zu sein hat, heute entgegenzusetzen?

Warnung des Gesundheitsministers: Die republikanische Parteiendiktatur gefährdet ihr Leben – der nationale Kleinstaat gefährdet Ihr Leben.

Die Monarchisten beendeten ihre Kundgebung mit einer Gedenkminute für alle Opfer von Republik und Kleinstaaterei und sangen abschließend die Kaiserhymne.