Monarchie - logische Wahl für die Linke

Alles über die ehemaligen Kronländer und ihre Nachfolgestaaten

Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Marek » Di 5. Feb 2013, 22:10

Wegen Präsidentwahl in Tschechische Republik hatten viele Zeitungen, vor allem die linksorientierte, Artikel mit Klischee von Habsburgertyrannei, mit Angriffen gegen Monarchismus usw. So habe ich ein Beitrag geschrieben, wo behaupte ich, das in Wirklichkeit, vor allem mitteleuropäische, Monarchien haben durchgesetzt oder verkörperten die Grundsätze, die sollen der Linke nahestehen. Dann habe ich gezeigt, wie Monarchen wie Wilhelm II. oder Karl I. haben mit Entstehung von Sozialstaat geholfen oder wie sie haben Legitimisierung der Sozialdemokratie oder Arbeiterbewegungs durchgesetzt. Und dann habe ich linksorientierte Persönlichkeiten (einschliesslich Kommunisten), die die Monarchie unterstützten, aufgezählt.
Ich war ein bisschen kritisch zu Korunu česká, aber SGA habe ich sehr gelobt.
Es ist leider in Tschechisch.

http://blisty.cz/art/67014.html
„Meine Heimat war nie so glücklich wie als Bestandteil der österreichisch-ungarischen Monarchie.“ Tomáš Garrigue Masaryk.
Marek
 
Beiträge: 59
Registriert: So 21. Nov 2010, 23:18

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Stefan_84 » Mi 6. Feb 2013, 21:54

Wie ist die Betrachtungsweise der Habsburger-Zeit in Tschechien derzeit? Gibt es da soetwas wie eine objektive Aufarbeitung oder vielleicht sogar Entwicklung eines gesellschaftlichen Konsenses in Richtung "Versöhung mit der Vergangenheit"?

Falls nicht würde es mich nicht wunder: erstens hat der Habsburgerstaat in der Zeit des Dualismus die slawischen Völker und insbesondere die Tschechen massiv benachteiligt und zweitens beruht ja quasi der ganze tschechische Staat mE auf der Negierung der Zeit vor 1918...
Wir, die guten Willens sind, geführt von Ahnungslosen, versuchen für die Undankbaren das Unmögliche zu vollbringen. Wir haben so viel, mit so wenig, so lange versucht, dass wir jetzt qualifiziert sind, fast alles mit nichts zu bewerkstelligen.
Unbekannt
Stefan_84
 
Beiträge: 1226
Registriert: Mo 13. Jul 2009, 16:59
Wohnort: Salzburg

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Palacky » Mi 6. Feb 2013, 22:55

Lieber Marek, danke, ich werde versuchen, den Artikel zu verstehen!
"Meiner Ansicht nach hat jeder das Recht, für jene Staatsform einzutreten, die er für die richtige hält. Es darf in einer wirklich demokratischen Gesellschaft keine Tabus auf diesem Gebiet geben."

SKKH Erzherzog Otto von Österreich
Benutzeravatar
Palacky
 
Beiträge: 1840
Registriert: Mo 13. Jul 2009, 12:16

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Marek » Mo 11. Feb 2013, 22:16

Stefan_84 hat geschrieben:Wie ist die Betrachtungsweise der Habsburger-Zeit in Tschechien derzeit? Gibt es da soetwas wie eine objektive Aufarbeitung oder vielleicht sogar Entwicklung eines gesellschaftlichen Konsenses in Richtung "Versöhung mit der Vergangenheit"?

Falls nicht würde es mich nicht wunder: erstens hat der Habsburgerstaat in der Zeit des Dualismus die slawischen Völker und insbesondere die Tschechen massiv benachteiligt und zweitens beruht ja quasi der ganze tschechische Staat mE auf der Negierung der Zeit vor 1918...


Es ist kompliziert. Die Historiografie konzentriert sich Heute an Mikrostudien. Dort ist, glaube ich, der Habsburgerstaat objektiv bewertet. Ob ist so auch in den Schulbüchern, bin ich nicht sicher. Unsere Medien aber noch immer zeigen stereotypisch Bild der Habsburgerzeiten - böse Habsburger als Diktatoren, Unterdrückung usw. Bei Politiker ist es auch so, mit Ausnahme von Koruna česká und der Mährer. So, wenn man geht von oben aus, von unsere Machtelite, ist die Betrachtungsweise negativ, wenn man aber geht von unten aus, kann man erfahren, dass mindestens einige Leute zum Beispiel in Frýdek-Místek wissen, dass dortige Textilfabriken haben in Habsburgerzeiten exportieren die Ware in aller Welt, im Unterschied zu jetzige Verhältnisse.
Und wenn man über Benachteiligung der Tschechen in Monarchie redet... Ich bin sicher, dass Mähren und Schlesien sind in heutige Tschechische Staat viel mehr benachteiligt, als waren die Tschechen in Habsburgerzeiten.
„Meine Heimat war nie so glücklich wie als Bestandteil der österreichisch-ungarischen Monarchie.“ Tomáš Garrigue Masaryk.
Marek
 
Beiträge: 59
Registriert: So 21. Nov 2010, 23:18

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Franz-23 » Di 12. Feb 2013, 00:20

Excellenter Aufsatz! Habe mir gerade ein Video vom Portisch (Österreich1)gegeben und muss sagen, solange solche Leute als Geschichtslehrer der Nation gelten kann da nichts weiter gehen.
Franz-23
 
Beiträge: 25
Registriert: Do 14. Jul 2011, 22:52

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon LudwigP » Mi 13. Feb 2013, 22:05

Marek hat geschrieben:Es ist kompliziert. Die Historiografie konzentriert sich Heute an Mikrostudien. Dort ist, glaube ich, der Habsburgerstaat objektiv bewertet. Ob ist so auch in den Schulbüchern, bin ich nicht sicher. Unsere Medien aber noch immer zeigen stereotypisch Bild der Habsburgerzeiten - böse Habsburger als Diktatoren, Unterdrückung usw. Bei Politiker ist es auch so, mit Ausnahme von Koruna česká und der Mährer. So, wenn man geht von oben aus, von unsere Machtelite, ist die Betrachtungsweise negativ, wenn man aber geht von unten aus, kann man erfahren, dass mindestens einige Leute zum Beispiel in Frýdek-Místek wissen, dass dortige Textilfabriken haben in Habsburgerzeiten exportieren die Ware in aller Welt, im Unterschied zu jetzige Verhältnisse.
Und wenn man über Benachteiligung der Tschechen in Monarchie redet... Ich bin sicher, dass Mähren und Schlesien sind in heutige Tschechische Staat viel mehr benachteiligt, als waren die Tschechen in Habsburgerzeiten.



Sehr richtig geschrieben. Ich würde mich da kurz der Präsidentenwahl widmen:
Bei der letzten Präsidentenwahl hat Karl Schwarzenberg leider keine wirkliche Chance gehabt (leider daher, weil er immer noch das bessere Übel wäre) - der erste Fehler ist leider nicht zu korrigieren, wurde aber von Zeman und Klaus richtig ausgeschlachtet, nämlich dass Schwarzenbergs Frau kein Tschechisch spricht und darauf sind die Tschechen (Mährer und Schlesier weniger) sehr allergisch. Den zweiten Fehler hat Fürst Schwarzenberg selber gemacht, auch wenn er durchaus Recht gehabt hat - er hat die Beneš-Dekrete angesprochen und das so, dass er die Tschechen sehr sehr wütend gemacht hat. Was die Leute eher dem Zeman überl nahmen, war schwarzenbergs Sprachfehler, auch wenn sich paar Idioten fanden, die darüber lachten (z.B. der Sohn von Václav Klaus).

Und jetzt noch zu Mähren:
Mähren und Schlesien wird übrigens tatsächlich benachteiligt, nur die Partei der Mährer ist (noch) zu schwach, um dagegen richtig anzukämpfen und sie tun vielleicht auch zu wenig. Und die Koruna Česká ist so leid es mir auch tut, nicht der Rede wert, diese Partei hat sich durch diverse Wahlbeteiligungen selber geschadet, sie wirkt lächerlich und zu konservativ, denn es tut mir leid, aber in Tschechien ständig den Glauben in die Politik zu mischen, ist fast ein politischer Selbstmord, Tschechien gilt als stark atheistisch.

Also ich bete, dass sich die Koruna Česká selbst neu gründet, neu erfindet oder ähnliches, denn in ihrem Zustand kann die Partei ihre Ziele nicht einmal in 1000 Jahren erreichen. Die Mährer sind da etwas oder sogar wesentlich weiter, hier habe ich schon vor langer Zeit eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, auch wenn die Partei nciht gerade als monarchistisch zu bezeichnen ist. Immerhin wehen in Mähren immer mehr Mährische Fahnen (mittlerweile in paar Hundert Gemeinden?).
LudwigP
 
Beiträge: 203
Registriert: Mi 18. Aug 2010, 22:29

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Marek » So 17. Feb 2013, 13:59

Den zweiten Fehler hat Fürst Schwarzenberg selber gemacht, auch wenn er durchaus Recht gehabt hat - er hat die Beneš-Dekrete angesprochen und das so, dass er die Tschechen sehr sehr wütend gemacht hat.


Ich wäre nicht so pesimistisch über Haltungen der Bevölkerung in Tschechische Republik.

1) Die Meinungsumfragen zeigen, dass schon weniger als eine Hälfte der Bevölkerung unterstützt die Beneš-Dekrete.

2) Viele Anzeiger deuten darauf hin, dass mährische und schlesische Identität verstärkert sich.

3) Bei Volkszählung hat 2,7 Millionen Einwohner (vorher tschechischer Nationalität) keine Nationalität eingetragt.

4) In Gesellschaft gibt es nicht nur allgemeine Gefühl der sozial-politische Krise, aber man hört auch Stimmen, die ganz deutlich stellen fest, dass tscheschische nationalistische Projekt (für Historiker F. Fejtö mit deutsche Nationalismus und Sionismus einer der drei Zersetzungskräfte in Habsburgermonarchie) ist gescheitert.


Ich glaube das heisst, dass es gibt jetzt eine Möglichkeit neue Selbstreflexion, Identität und Haltungen dort zu verbreiten.
„Meine Heimat war nie so glücklich wie als Bestandteil der österreichisch-ungarischen Monarchie.“ Tomáš Garrigue Masaryk.
Marek
 
Beiträge: 59
Registriert: So 21. Nov 2010, 23:18

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Morwen » Mi 20. Feb 2013, 12:04

Klingt ermutigend.
Morwen
 
Beiträge: 489
Registriert: Di 1. Sep 2009, 20:24

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon LudwigP » Do 21. Feb 2013, 01:09

Marek hat geschrieben:1) Die Meinungsumfragen zeigen, dass schon weniger als eine Hälfte der Bevölkerung unterstützt die Beneš-Dekrete.


Meinungsumfragen sagen das vielleicht aus, aber Schwarzenbergs Niederlage war zu einem großen Teil seiner unglücklichen Äußerung zu verdanken!

Ich war gerade in Polen, dort ist die Lage tatsächlich ganz anders, mittlerweile gibt es wieder z.B. in der Wojewodztwo Opole bzw. auf Deutsch Opeln über 100.000 Deutsche, die weider zurück gekommen sind. Polen hat sich mit seiner Minderheit längst ausgesöhnt, es gab sogar eine symbolische Entschädigung. Und es gibt in den Gemeinden rund um die Stadt Opole (dort ist es leider noch nicht der Fall) zweisprachige Ortstafeln!

In Tschechien ist eine Rückkehr der Deutschen undenkbar, leider!



2) Viele Anzeiger deuten darauf hin, dass mährische und schlesische Identität verstärkert sich.


Das stimmt auf jeden Fall, das habe ich auch nicht anders behauptet.


3) Bei Volkszählung hat 2,7 Millionen Einwohner (vorher tschechischer Nationalität) keine Nationalität eingetragt.


Davon weiß ich nichts, ich weiß nur, dass einige (leider ist die Zahl nicht viel gestiegen) die Mährische Nationalität angegeben haben.


4) In Gesellschaft gibt es nicht nur allgemeine Gefühl der sozial-politische Krise, aber man hört auch Stimmen, die ganz deutlich stellen fest, dass tscheschische nationalistische Projekt (für Historiker F. Fejtö mit deutsche Nationalismus und Sionismus einer der drei Zersetzungskräfte in Habsburgermonarchie) ist gescheitert.


Also ich bin mir da nicht ganz so sicher, egal, mit wem ich rede, der tschechische Nationalismus ist bei den Leuten ungebrochen.

Ich glaube das heisst, dass es gibt jetzt eine Möglichkeit neue Selbstreflexion, Identität und Haltungen dort zu verbreiten.[/quote]
Zuletzt geändert von LudwigP am Do 21. Feb 2013, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
LudwigP
 
Beiträge: 203
Registriert: Mi 18. Aug 2010, 22:29

Re: Monarchie - logische Wahl für die Linke

Beitragvon Marek » Do 21. Feb 2013, 02:46

[color=#4000BF]
Meinungsumfragen sagen das vielleicht aus, aber Schwarzenbergs Niederlage war zu einem großen Teil seiner unglücklichen Äußerung zu verdanken!
[/color]

Ich entschuldige mich, aber ich muss ein bisschen in die Tiefe tschechischer Politik gehen.
Ich meine, dass die Rolle der Beneš-Dekrete bei jetzige tschechische Präsidentenwahl wird überschätzt.
Warum? Wir müssen näher an die Wähler, die in zweite Runde gegen Schwarzenberg gewählt haben.
Mehrheit(20 % der Wähler, oder mehr) sind Leute, die aus Verzweiflung wählen Sozialdemokraten oder niemanden. Diese Leute sind eindeutig gegen heutige Regierung und sie haben gegen Schwarzenberg gewählt, denn sie möchten gegen Regierung wählen. So dort war Beneš-Dekrete Faktor nicht entscheidend.
Kommunisten (15 %) sind sehr diszipliniert und eindeutig gegen Regierung. Sie sind sehr (tschechisch) nationalistich, aber sie würden sowieso gegen Schwarzenberg wählen, denn sie möchten gegen Regierung wählen. So auch hier war Beneš-Dekrete Faktor nicht entscheidend.
Václav Klaus Anhänger (5 %) sind sehr diszipliniert und sehr nationalistisch - aber auch sehr dem Gewinner (Miloš Zeman) wohlgesinnt, der hat vorher mit Klaus in eine grosse Koalition zusammengearbeitet. Václav Klaus hat schon vor 1. Runde Miloš Zeman unterstützt. So sie würden ohnehin gegen Schwarzenberg wählen und Beneš-Dekrete Faktor war nicht entscheidend.
Partei des Gewinners und andere Nationalisten (5%) - diese Wähler sind normalerweise nicht diszipliniert und sind sehr nationalistisch. Aber der Gewinner war ihr Mann und so war es klar, das sie werden sowieso für ihn wählen. So auch hier war Beneš-Dekrete Faktor nicht entscheidend.

Und zur Volkszählung - ja, 2,7 Millionen Einwohner hat keine Nationalität angegeben. Das heisst sie möchten sich nicht als Tschechen betrachten.

Tschechische Nationalismus ist so geschwächt wie nie zuvor.
„Meine Heimat war nie so glücklich wie als Bestandteil der österreichisch-ungarischen Monarchie.“ Tomáš Garrigue Masaryk.
Marek
 
Beiträge: 59
Registriert: So 21. Nov 2010, 23:18


Zurück zu Die Kronländer

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron
 

Wer ist online?

Insgesamt ist 1 Besucher online: 0 registrierte, 0 unsichtbare und 1 Gast (basierend auf den aktiven Besuchern der letzten 5 Minuten)
Der Besucherrekord liegt bei 38 Besuchern, die am Di 26. Feb 2013, 16:10 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Aktuelle Zeit

Aktuelle Zeit: Do 17. Apr 2014, 01:51