Monarchisten gegen Hitler: der „vergessene“ Widerstand

„,Niemals vergessen‘ ist längst zur Leerformel geworden, im österreichischen Alltag ein Versprecher, an Feiertagen ein Rülpser über Leichen – Österreichs Märtyrern.“
– Viktor Matejka, kommunistischer Wiener Kulturstadtrat von 1945 bis 1949
„Untragbar“ und einen „veritablen demokratiepolitischen Skandal“
nannte Verteidigungsminister Norbert Darabos (* 1964) in einer
Presseaussendung der „Sozialistischen Korrespondenz“ die
Aussagen SKH Dr. Otto von Habsburgs anlässlich einer Gedenkstunde
der ÖVP im alten Reichsrats-Sitzungssaal des österreichischen
Parlaments vom 10. März 2008. Des Erzherzogs Worte verbreiteten
sich nach dem Stille-Post-Prinzip in Windeseile von einem geifernden
republikanischen Zwangsneurotiker zum nächsten, sodass es
schließlich hieß: Der Kaisersohn hat zynisch den Weltkrieg
mit einem Fussballspiel verglichen, ungeheuerlich sei diese „Verachtung für die Opfer". Kasperlkaiser Robert Palfrader stimmte anderntags in einer Live-Radiosendung hysterisch ein in den Chor der Entrüsteten: „Die
Aussage von Otto Habsburg gestern zeigt ja, was für ein Glück
wir haben, dass es keine Monarchie mehr gibt.“ – Und auch Darabos schloss seine Presseaussendung mit den Worten, es sei „unfassbar,
dass jemand in Österreich 70 Jahre nach dem so genannten
Anschluss, in der Öffentlichkeit derartige Thesen vertritt“.
Abgesehen einmal davon, dass die Formulierung „so genannter Anschluss“ einem Habsburger gewiss nicht ohne erneutes Gezeter durchgegangen wäre: Wie genau lauten nun diese „derartigen Thesen“, die also angeblich so ungeheuer skandalös und verwerflich sind? – O-Ton Otto von Habsburg, der bereits am 15. März 1938 in Paris Protest gegen den „Anschluss“ erhoben hatte: „Was eigentlich ein Skandal war: Nämlich die Diskussion hier in Österreich, ob Österreich ein Mitschuldiger war, oder ob es ein Opfer war. - Meine Damen und Herren! Ich glaube, es gibt keinen Staat in Europa, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen, als es Österreich gewesen ist.“ Zu den Schaulustigen bei Hitlers Rede am Heldenplatz meinte SKH: „Wir müssen einfach verstehen, dass bei einem großen Rummel in allen Ländern die Leute zusammenkommen, zuhören, applaudieren und so weiter. (...) Man zeigt noch immer die Bilder des Heldenplatzes, auf dem es 60.000 Leute gegeben hat, das ist wahr. Aber, schauen Sie: Bei jedem Fußballereignis kann man 60.000 Leute zusammentrommeln.“ Zweifellos: Führende Repräsentanten aus Politik, Kirche und Kulturleben begrüßten den Anschluss – doch pauschal Österreich zur Täternation zu stempeln wäre eine schallende Verhöhnung all jener, die damals die Kraft zum Widerstand aufbrachten und diesen mit gesellschaftlicher Isolation, Verlust ihres Arbeitsplatzes, Haft und ihrer physischen Auslöschung bezahlten.
Abgesehen einmal davon, dass die Formulierung „so genannter Anschluss“ einem Habsburger gewiss nicht ohne erneutes Gezeter durchgegangen wäre: Wie genau lauten nun diese „derartigen Thesen“, die also angeblich so ungeheuer skandalös und verwerflich sind? – O-Ton Otto von Habsburg, der bereits am 15. März 1938 in Paris Protest gegen den „Anschluss“ erhoben hatte: „Was eigentlich ein Skandal war: Nämlich die Diskussion hier in Österreich, ob Österreich ein Mitschuldiger war, oder ob es ein Opfer war. - Meine Damen und Herren! Ich glaube, es gibt keinen Staat in Europa, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen, als es Österreich gewesen ist.“ Zu den Schaulustigen bei Hitlers Rede am Heldenplatz meinte SKH: „Wir müssen einfach verstehen, dass bei einem großen Rummel in allen Ländern die Leute zusammenkommen, zuhören, applaudieren und so weiter. (...) Man zeigt noch immer die Bilder des Heldenplatzes, auf dem es 60.000 Leute gegeben hat, das ist wahr. Aber, schauen Sie: Bei jedem Fußballereignis kann man 60.000 Leute zusammentrommeln.“ Zweifellos: Führende Repräsentanten aus Politik, Kirche und Kulturleben begrüßten den Anschluss – doch pauschal Österreich zur Täternation zu stempeln wäre eine schallende Verhöhnung all jener, die damals die Kraft zum Widerstand aufbrachten und diesen mit gesellschaftlicher Isolation, Verlust ihres Arbeitsplatzes, Haft und ihrer physischen Auslöschung bezahlten.
„fast hundertprozentige Zahl von vornherein beschlossen“
Otto von Habsburg ist nicht nur
Zeitzeuge der Ereignisse von 1938 – er ist auch jene Person, bei
der damals die Fäden zusammenliefen, als es galt, die Aktionen
jener Männer und Frauen zu koordinieren, die sich neben den
Kommunisten als die unerbittlichsten und unbeugsamsten Kämpfer
für ein selbständiges Österreich erweisen sollten: Die Kaisertreuen.
Gleich nach dem 13. März 1938 – noch vor der Abstimmung am
10. April – wurden viele von ihnen von der Gestapo verhaftet,
einfach erschlagen wie der legitimistische General Wilhelm Zehner - der
„Erfinder“ des österreichischen Bundesheeres - oder
gleich ins KZ verfrachtet: „Der erste Transport von Österreichern war am 1. April 1938 nach Dachau geschickt worden“, schreibt der eingangs zitierte Kommunist Viktor Matjka im zweiten Teil seiner Autobiographie. „Am
2. April waren wir dort angekommen, empfangen und eingekleidet worden.
Im Hinblick auf den 11. April als den Tag der Volksabstimmung für
Führer, Volk und Reich waren unsere ersten politischen
Gespräche in Dachau voll der Besorgnis. Die einen meinten, dass
Hitler ungeachtet des wirklichen Abstimmungsergebnisses eine fast
hundertprozentige Zahl von vornherein beschlossen habe, andere wieder
meinten, dass doch in irgendeiner Weise eine beachtliche Minderheit
hervortreten werde, die sich unter das Joch der Vergewaltigung nicht
beugen ließe. Da platzte mitten in unsere besorgte Diskussion der
Aufruf Renners zugunsten eines Ja für das Großdeutsche Reich
hinein. Wir lasen das auf der bayerischen Hochebene im Neuen Wiener
Tagblatt und bissen die Zähne zusammen. Durch uns hundertsechzig
Österreicher vom ersten Transport, die wir von der
äußersten Rechten bis zur äußersten Linken
Österreich im wahren Sinne des Wortes repräsentierten, ging
ein Sturm der Entrüstung über den Vaterlandsverräter
Karl Renner.“ (Übrigens: Norbert Darabos
bekleidete von 1987 bis 1991 die Funktion als Landesleiter des
burgenländischen „Renner-Institutes“. Ein Protest
seinerseits hinsichtlich des Namensgebers ist nicht verbürgt.)

Otto von Habsburg über den ermordeten Wilhelm Zehner: „General
Zehner war das Bild des klassischen österreichischen Offiziers.
Ich habe ihn sehr gut gekannt, er war auch bei uns in Steenockerzeel .
(...) Zehner erwartete einen Befehl zum Widerstand. Von mir hätte
er ihn erhalten und auch ausgeführt.“
Neben Republiksgründer Renner
gab es freilich noch andere führende Exponenten der
Sozialdemokratie, welche diejenigen verrieten, welche sich um ein
Wiedererstehen eines freien Österreich bemühten und so den
Freiheitskämpfern in den Rücken fielen: So verhinderte etwa
Friedrich Adler mitten im 2. Weltkrieg die Aufstellung eines
österreichischen Bataillons sowie die Einsetzung einer
Exilregierung, was hinsichtlich einer nachträglichen
Würdigung der Opferrolle des Landes mindestens ebenso grossen
Schaden anrichtete wie Schuschniggs widerstandslose Kapitulation mit
der Begründung, „kein deutsches Blut“ vergießen zu wollen. („Na, wurde halt österreichisches Blut vergossen“, kommentierte einmal Erzherzog Otto treffend.)
Auch der sozialdemokratische Chefideologe Otto Bauer, der im sicheren Brünn saß, sah trotz des Einmarsches der Nazis keinen Grund, seine seit jeher vertretene anschlussfreudige Haltung zu überdenken.
Die Parteigänger der Sozialdemokraten liefen inzwischen massenhaft zu den Illegalen Nationalsozialisten über: Deren Antisemitismus dürfte nur wenige Genossen gestört haben, war er doch damals quer durch alle Parteien en vogue: Religös unterfüttert bei der schwarzen Reichshälfte, antikapitalistisch gerechtfertigt bei den Sozialisten. Sehr anschaulich beschreibt dies der aus sozialdemokratischen Milieu stammende Zeitzeuge Günther Doubek in seinem bei Böhlau erschienenen Buch "Du wirst das später verstehen - eine Vorstadtkindheit im Wien der dreißiger Jahre": "Im Stiegenhaus waren jetzt immer öfter Hakenkreuze"

Unser Erzhaus hingegen beteiligte sich in der Folge aktiv am Kampf gegen den Nationalsozialismus: Otto selbst bemühte sich bekanntlich im amerikanischen Exil intensiv um die Anerkennung Östereichs als erstes Opfer der deutschen Aggression, während seine Brüder, die Erzherzöge Rudolph und Karl Ludwig auf Seiten der US-Armee mit der Waffe in der Hand im Einsatz waren. Dem im Lande verbliebenen Erzherzog Joseph Ferdinand, Sohn von Ferdinand IV., des Großherzogs der Toskana, und einer der Heerführer des Ersten Weltkrieges, fiel zu Hitler lediglich das Götzzitat ein. – Was findet sich dazu in der rabiatrepublikanisch dominierten deutschssprachigen „Wikipedia“? – „Die Gestapo sandte ihn für drei Monate ins KZ Dachau, was seiner Gesundheit nicht zuträglich war.“ Das wird es allerdings wohl nur in den seltensten Fällen gewesen sein: Erzherzog Joseph Ferdinand verstarb 1942 in Wien.
,Mit dem Otto, diesem Schuft, in die Kapuzinergruft!“

Anti-Habsburg-Hetze in SS-Blatt: "An mein Volk! An meine lieben Juden!"
Thronfolger Erzherzog Otto selbst befand sich 1938 noch in Belgien und war mit Hilfe diverser Kurierverbindungen ständig in Kontakt mit seinen Vertrauten in Österreich. Der ebenfalls im Widerstand tätige Sohn von Paula von Preradović, Fritz Molden, schreibt dazu in seinem Buch „Die Feuer in der Nacht – Opfer und Sinn des österreichischen Widerstandes“: „Die monarchistische Untergrundorganisation war bereits vor dem Einmarsch der Deutschen vorgeplant worden und funktionierte daher von Anfang an. Wurden Leute verhaftet, gab es sofort Ersatzmänner.“ Bis zur Besetzung Frankreichs 1940 wurde intensiver Kontakt mit Erzherzog Otto gehalten. Nach der offiziellen Auflösung der legitimistischen Vereine, darunter der „kaisertreue Volksverband“ und der „Reichsbund der Österreicher“, gingen die Ortsgruppen sofort daran, alle schriftlichen Unterlagen zu vernichten, um die Schwarz-Gelben so vor Verfolgung zu schützen.
Die Legitimisten versenken gleich nach dem Einmarsch die Kartei mit etwa 30.000 Daten von Organisations- und Gruppenleitern sowie von Funktionären, Spendern und Förderern im Wiener Donaukanal, zuhause bei den Funktionären verglühen alle Papiere, die einzelne Kaisertreue belasten könnten, in den Öfen.
Währenddessen tobt draussen bereits der braune Mob: „Der Pöbel versammelte sich vor dem Haus der Legitimisten“, schildert unser verstorbenes Ehrenmitglied Erich Feigl in seiner Habsburg-Biographie „Protokoll eines politischen Lebens“ die dramatischen Ereignisse im März 1938. „,Juda verrecke!', grölen sie in Sprechchören und skandieren unermüdlich: ,Mit dem Otto, diesem Schuft, in die Kapuzinergruft.“

Zeitzeuge Molden zu der Frage nach der ideologischen Zuordenbarkeit der damaligen Kaisertreuen: „Die meisten Legitimisten/Monarchisten hatten sich der Vaterländischen Front angeschlossen, waren aber für die Wiedereinführung der Monarchie, weil sie darin einen möglichen Garanten dafür sahen, vom autoritären System los und zu einer neuen demokratischen Entwicklung zu kommen. Die Mehrzahl der Monarchisten waren Anhänger einer konstitutionellen Monarchie, die ein demokratisches Mehrparteiensystem auf pluralistischer Basis zur Voraussetzung hatte.“ Den schwarz-gelben Widerstand trugen ehemalige Offiziere wie Studenten, angesehene Bürger wie „kleine Leute“, Christen wie Juden. So löste sich etwa das „Corps Ottonen“, das auch jüdische Mitglieder hatte, bereits am 18. März 1938 auf und ging in den Untergrund. Es operierte nunmehr unter dem Namen „Zentralkomitee der monarchistischen Bewegungen“ und stand mit den anderen schwarz-gelben Widerstandszellen, so etwa der Gruppe um Wilhelm Hebra und jener um Dr. Willy Zemljak, in regem Kontakt. Als Hauptmann Karl Burian, Mitglied des „Corps Ottonen“, im Oktober 1938 einen Kurier erwartete, der eine Botschaft Ottos überbringen hätte sollen, flogen er und seine Kameraden auf. Nach über fünfjähriger Untersuchungshaft machte man diesen österreichischen Patrioten den Prozess. Man klagte Burian und sechs seiner Mitstreiter an, eine „gewaltsame Lostrennung der Ostmark vom Deutschen Reich“ sowie die „Errichtung einer alle früheren österreichischen Gebietsteile umfassenden Monarchie unter Otto von Habsburg“ vorbereitet und Hochverrat begangen zu haben. Während die Mitangeklagten mit langjährigen Freiheitsstrafen davonkamen, wartete auf Burian, der auch eine Sprengung des Wiener Gestapo-Hauptquartieres am Morzinplatz vorgehabt hatte, die Guillotine. Er wurde am 13. März 1944 im Wiener Landesgericht geköpft.

Wollte Gestapo-Hauptquartier sprengen: Hauptmann Karl Burian

Hier versickerte vielhundertfach österreichisches Leben: Gully in der Todeskammer des Wiener Landesgerichts – heute ein Gedenkraum
Einer der ersten Österreicher, die im Lager Dachau zu Tode kamen, war Univ.-Prof. Hans-Karl Freiherr von Zeßner-Spitzenberg, Sozialreformer und Präsident der „Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden“. Das Mitglied zahlreicher kaisertreuer Studentenverbindungen und der proto-paneuropäischen „Österreichischen Aktion“ wurde knapp nach dem Einmarsch der Deutschen in der Krypta der Kaasgrabenkirche in Wien-Grinzing verhaftet und im Viehwaggon nach Dachau gebracht. Die Frage des Lagerkommandanten nach dem Grund seiner Einlieferung beantwortete der kahlgeschorene und in Häftlingskluft gesteckte Zeßner-Spitzenberg folgendermaßen: „Weil ich im Glauben an Gott und an ein christliches Österreich unter der Führung des Hauses Habsburg die einzige Rettung für die Unabhängigkeit und Selbständigkeit meines Vaterlandes sehe.“ Diese Antwort war die falsche: Er kam in Isolationshaft und wurde schließlich so schwer misshandelt, dass er am 1. August 1938 seinen Verletzungen erlag.
„Wir Österreicher sind den Preussen gegensätzlich“

Wilhelm Hebra auf dem Gestapo-Karteibild
Wie konkret sah nun die Tätigkeit der verbliebenen Schwarz-Gelben aus? Der bereits erwähnte Wilhelm Hebra etwa – ausgebildeter Jurist und Schriftsteller aus einer alteingesessenen Wiener Arztfamilie – gründete die monarchistisch-legitimistische Organisation „Ostfrei“. Im Herbst 1938 verfasste Hebra ein allerdings nicht zur Verbreitung gelangtes Flugblatt, in dem es hieß: „Wir Österreicher sind durch Geschichte und Kultur, in Geist und Gesinnung, in Charakter und Lebensform von den anderen Deutschen unterschieden, den Preussen gegensätzlich.“ Erfolgreich konnte lange der Kontakt zu einer Engländerin aufrechterhalten werden, die Mitglied der Gruppe war. – Es gab weiters Vorbereitungen, Eisenbahntransporte zu sabotieren und einen Untergrundsender zu betreiben. Die Umsetzung dieser Pläne vereitelte im März 1939 die Verhaftung Hebras und zwanzig seiner Leute. Hebra wurde 1944 in München-Stadelheim hingerichtet.

„... die legitimistische Bewegung als ältester und berufenster Träger des österreichischen Unabhängigkeitsgedankens“
„Die meisten Schlachten – besonders die politischen – sind verloren worden, weil das Kampffeld vorzeitig, ohne äußerste Not, geräumt wurde. (...) Wir Legitimisten haben unsere Kampfbereitschaft und Kampfkraft nicht in zwanzigjährigem Ringen gestählt, um im ersten Augenblick, der uns auf eine ernste Probe stellt, vor der erbärmlichsten Armee, der Armee der Defätisten und Überläufer, die Fahne Österreichs niederzuholen.“ So schrieb am Vorabend des Anschlusses das monarchistische Blatt „Der Österreicher“ unter dem Titel "Schließt die Reihen!".
Die Unterstützung für die „Vaterländische Front“ erklärte das Organ der legitimistischen Bewegung folgendermaßen: „Wer wie wir entschlossen ist, Österreich zu schützen und zu schirmen, ist unser Kamerad und Kampfgenosse. Wer die Freiheit Österreichs leidenschaftlich will, ist unser Bundesgenosse. In diesem Sinne begrüßen wir die im Gewerkschaftsbund organisierten, für Österreichs Unabhängigkeit eintretenden Arbeiter als unsere Freunde. In dem gleichen Sinne begrüßen wir die Bauern. (...) Sie alle mögen wissen: Wann immer sie für Österreich streiten, werden sie den Legitimismus an ihrer Seite und mitten unter ihnen finden.“
Sogar die extreme Linke sah am Vorabend Anschlusses ein, dass es an der Zeit war, gemeinsam mit den Kaisertreuen vorzugehen. Kommunist Matejka betont in seinen Memoiren, „... dass mir (...) in Paris Legionsrat Bischoff und Pressechef Fuchs in ganz hervorragendem Ausmaß behilflich waren.“– Norbert Bischoff war in der französischen Hauptstadt an der Botschaft tätig, Presseattaché Dr. Martin Fuchs war einer von Erzherzog Ottos Vertrauten und wichtige Kontaktperson des legitimistischen Widerstandes. „Ich berichtete ihnen über alle meine Kontakte mit Einzelpersonen und Organisationen, weil ich wusste, dass beide absolut verläßliche Österreicher waren. Ich tat dies trotz meiner Kenntnis der Beziehungen Fuchs‘ zu Otto Habsburg. Obgleich ich nicht die geringsten Sympathien für die Monarchie, für Habsburg, für eine Restauration hatte, hielt ich es für nützlich, mit jenen Monarchisten Fühlung zu halten, die Schuschniggs Guido Schmidt-Kurs ablehnten und bekämpften.“ Guido Schmidt war jener betont katholische Freund Hermann Görings, den sich Kurt von Schuschnigg um des lieben Friedens Willen zuerst als Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und nach der Demütigung in Berchtesgaden gar als Aussenminister aufdrängen hatte lassen. „Eine österreichische Volksfront“, resümiert Matejka, „(...) war nur unter Einbeziehung aller österreichischen Patrioten denkbar, die im Augenblick der höchsten Gefahr bereit waren, auch Klagen und Ressentiments zurückzustellen.“

Erzherzog Otto an Schuschnigg: "Frieden mit den Arbeiterschaft schließen"
Tatsächlich kam es bald im gesamten Bundesgebiet zu Aktionen einzelner Monarchistengruppen, die zweifellos eine nicht unbeträchtliche Strahlkraft über soziale und weltanschauliche Grenzen hinweg besessen haben müssen. Dies mag heute den einen oder anderen verwundern, tatsächlich hatte aber der Thronfolger sein Angebot der Übernahme der Staatsgeschäfte von der Aussöhnung zwischen Ständestaat und Arbeiterschaft abhängig gemacht: Otto von Habsburg sah bereits am Vorabend des Anschlusses im Gegensatz zu den Repräsentanten des Ständestaates klar die Konsequenzen der katastrophalen ideologischen Kluft in unserem Land: "Ja, ich wusste es seit der Antwort Schuschniggs auf mein Angebot, die Kanzlerschaft zu übernehmen unter der Bedingung, dass mit der österreichischen Arbeiterschaft Frieden geschlossen und die Sozialdemokraten in die Regierung einbezogen werden. Als er ablehnte, gab es kaum noch Hoffnung." (zitiert nach Feigl)
Dass diesem Appell, in Zeichen der äussersten Bedrängnis zusammenzustehen, wohl Erfolg beschieden gewesen wäre, erscheint aus heutiger Sicht plausibel: So formierte sich in Innsbruck und Umgebung im März 1939 ein monarchistisches Netzwerk mit dem schlichten Arbeitsstitel „Kampffront“, die von der Hilfsarbeiterin Kreszenzia Hell geführt wurde. In Erwartung eines baldigen Krieges gegen die Westmächte wollte die Gruppe das Terrain für eine Befreiung von Westen her bereiten. Bereits im August 1939 wurden aber 60 Mitglieder von der Gestapo verhaftet.
Auch im Süden Österreichs wurde man aktiv: Nach seiner Haftentlassung im Juni 1939 ging der wegen seiner patriotischen Haltung im Vorjahr unter entwürdigen Umständen arretierte legitimistische Klagenfurter Rechtsanwalt Dr. Karl Wanner sofort wieder daran, den Kontakt zu etwaigen Mitkämpfern zu suchen. Von Klagenfurt über Graz bis Wien knüpfte er seine Kontakte neu, sodass sich schon bald harmlos „Stammtischrunden“ genannte Zirkel bildeten, die sich die Wiedererrichtung der Donaumonarchie einschliesslich Bayerns und Südtirols zum Ziel setzten. Wanner tat sich mit der Klagenfurter Legitimistengruppe „Antifaschistische Freiheitsbewegung Österreichs“ unter der Leitung des früheren Sekretärs der Vaterländischen Front, Karl Krumpl, sowie des katholischen Geistlichen Dr. Anton Granig zusammen. Schnell rekrutierte man neue Mitglieder, und zwar sowohl Personen mit christlichsozialem als auch mit linkem Hintergrund. Die AFÖ hatte auch eine aus Kärntner Slowenen bestehende Untergruppe, und gewiß keinerlei Berührungsängste mit österreichtreuen Linken: Zusammen verteilte man Tausende von Flugblättern mit Aufrufen zur Rebellion gegen die Besatzer, schmierte in Klagenfurt und Villach „Lang lebe Österreich“ und „Österreich erwache“ - aber auch Hammer und Sichel - an die Wände – dies laut Fritz Molden gar gemeinsam mit einer in Klagenfurt stationierten Einheit der Luftwaffe, die man für die Sache gewinnen konnte – Volksgemeinschaft einmal anders ...
Massaker knapp vor der Befreiung

Dr. Eduard Steinwender
Die AFÖ erstreckte ihre Tätigkeit schließlich auch auf Tirol und die Steiermark, doch wuchs mit der Mitgliederzahl leider auch die Gefahr der Unterwanderung: 1942 flog die Gruppe auf. Man verhaftete wegen tatkräftiger Mithilfe (Geldspenden, Überlassung einer Schreibmaschine und zweier Revolver) auch die Franziskaner Dr. Eduard Steinwender aus der Steiermark sowie den Kirchenrektor desselben Ordens in Eisenstadt, DDDr. Wilhelm Pieller. Sie wurden in einem Schauprozess in Wien 1944 ebenso zum Tode verurteilt wie der bereits erwähnte Kärnter Priester Dr. Granig: "Die Angeklagten Pumpernig, Dr. Granig, Primosch, Ortner, Krumpl, Dr. Steinwender und Dr. Pieller haben in den Jahren 1941-1943 vor allem in Kärnten eine Organisation mit habsburgisch-separatistischen Zielen ins Leben gerufen oder sich an diesen staatsfeindlichen Umtrieben als Mittäter beteiligt", hieß es in der Urteilsbegründung. In der Todeszelle verfolgen die Aufrechten das Heranrücken der Roten Armee. Die Befreiung in greifbarer Nähe, treten sie zusammen mit über 40 anderen Todeskandidaten den viertägigen Fussmarsch nach Krems an, wo sie in die Haftanstalt Stein eingeliefert werden. „Als der Leiter der Anstalt, Hofrat Kodré, am 6. April die Freilassung der etwa 1800 Insassen anordnete und bereits etliche von diesen in Freiheit waren, rückten plötzlich Kräfte der SS, SA und Wehrmacht aus und richteten ,ein unvorstellbares Blutbad‘ an. NS-Leute übernahmen die Leitung des Gefangenenhauses. Am 15. April wurde der Befehl zur Hinrichtung der 46 Wiener Häftlinge erteilt. Jeweils zu zweit wurden sie von den Gestapo-Henkern im Hof der Anstalt erschossen. Angelus Steinwender und P. Kapistran Pieller waren sofort tot. Die beiden Patres fanden ihre letzte Ruhestätte in einem Massengrab in Stein“, ist auf der Internet-Seite des Franziskanerordens zu lesen.
Einige Randfiguren der Monarchistenszene kamen relativ glimpflich davon, so etwa die sechzigjährige Krankenpflegerin Mary Marschall, die Spenden für die Angehörigen der „Illegalen Österreichischen Kaisertreuen Front“ gesammelt hatte. Allein diese Tatsache genügte für eine Anklage wegen des "Verbrechens nach dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien". Sie wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Aufgrund von Spenden an die genannte Gruppe zu acht Monaten Kerker verurteilt wurde die 64jährige Wienerin Theresia Albrecht.

Monarchistin Theresia Albrecht auf einem Karteibild der Gestapo
Sektionsrat Eduard Tomaschek hatte „Glück im Unglück“: Er wurde nach dem Einmarsch der Deutschen wegen Mitgliedschaft im „Eisernen Ring“ aus dem Staatdienst entlassen, am 21. März 1938 verhaftet und nach Dachau gebracht. Nach seiner Entlassung aus dem KZ wurde er mehrmals neuerlich inhaftiert und am 24. November 1943 wegen "Nichtanzeige des Vorhabens eines Hochverrates" (Kenntnis über die legitimistische Gruppe Müller - Thanner) vom Volksgerichtshof zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Vom „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ eher unerklärlicherweise dem „katholisch-konservativen Lager“ zugerechnet wird der Wiener Lehrer Karl Polly. Dieser gründet Anfang 1940 die legitimistische „Österreichische Arbeiterpartei“, die aber schon bald aufgedeckt wird. Der Volksgerichtshof verhaftet das Ehepaar Polly und 81 ihrer Mitstreiter, er selbst wird zu 12 Jahren Zuchthaus wegen „Hochverrat“ verurteilt. Ein Grossteil der anderen Verhafteten wird hingerichtet.
Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses bescheidenen Artikels umfassend auf alle Gruppen und Personen aus dem schillernden prohabsburgischen Lager einzugehen, die sich dem Kampf gegen den Nazismus verschrieben hatten - zusammenfassend lässt sich aber konstatieren, dass es etwa einem Dutzend monarchistischer Widerstandsgruppen gelang, in den Untergrund abzutauchen. Die Vielfalt der kaisertreuen Szene der damaligen Zeit – manche würden sagen: ihre Zersplittertheit, jedenfalls aber das Fehlen einer zentralen Planung und Führung - sollte sich schließlich als Vorteil herausstellen: Die Aushebung der monarchistisch-legitimistischen Zellen dauerte bis Ende 1942, nur sukzessive und listenreich konnten sie durch eingeschleuste Agenten des NS-Regimes enttarnt werden. Zeitzeuge Fritz Molden: “Es ist interessant, festzustellen, dass die Monarchisten, ungleich den Kommunisten, die damals als einzige ebenfalls aktiv tätig waren, gleichzeitig stets mehrere, voneinander völlig unabhängige Netze operieren ließen, sodass es beispielsweise möglich war, die Gruppe Müller völlig unberührt weiterexistieren zu lassen, während bereits drei andere Gruppen von der Gestapo aufgedeckt und vernichtet worden waren; ein Zeichen weitgehender Erkenntnisse und Erfahrungen im illegalen Kampf, die andere erst viel später und nach schweren Opfern gewonnen haben.“
Molden schätzt, dass bis 1942 zwischen 4000 und 4500 Monarchisten verhaftet wurden. Achthundert bis tausend von ihnen wurden hingerichtet, von der Gestapo zu Tode gequält bzw. in den Konzentrationslagern umgebracht, die Überlebenden isolierte man sozial wie beruflich. Diesem ungeheuren Opfer, das die Kaisertreuen für Österreich brachten, ist es neben dem bald schon folgenden Niedergehen des Eisernen Vorhanges geschuldet, dass nach dem Krieg eine effektive politische Arbeit für eine konkrete Restauration kaum mehr möglich war. Auch unter dem Aspekt dieses personellen wie logistischen Aderlasses in der Nazizeit ist wohl die Verzichtserklärung Otto von Habsburgs zwei Jahrzehnte später zu sehen.
Am 8. März 2008 schrieb Anton Pelinka in der "Presse": „Monarchisten und Kommunisten - letztere zumindest bis zum August 1939, bis zum Hitler-Stalin-Pakt - entzogen sich dem Mitläufereffekt. Aus diesen beiden Gruppen kam organisierter Widerstand, der aber mangels Größe als heroische Handlungen ohne unmittelbare politische Folgen gewertet werden muss. Aus den beiden großen Lagern - dem sozialistischen und dem katholisch-konservativen - kam, zunächst jedenfalls, kein organisierter Widerstand. Es verdient, festgehalten zu werden, dass Kommunisten und Monarchisten - die am ehesten als Zeugen der ,Opfertheorie‘ gelten konnten – in der Politik der Zweiten Republik nur geringe (Kommunisten) oder keine (Monarchisten) politische Bedeutung erlangen konnten.“ - Im Klartext bedeutet das: Der Widerstand dieser Österreicher war erbittert und enorm; da sie aber heute im Parlament nicht vertreten sind, wird ihr Opfer von den Machthabern verschwiegen.
Das Gedächtnis der meisten Menschen ist kurz: Obwohl massgebliche Persönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie gegen ein Wiedererstehen eines freien Österreich agitierten und im Ständestaat die Parteigänger der österreichischen SDAP in Scharen zur illegalen NSDAP überliefen, besitzt die SPÖ heute die Dreistigkeit, den Widerstand gegen das NS-Regime in einen hauptsächlich sozialistischen umzulügen. Dies geschieht, indem man die eigene Niederlage gegenüber der ständestaatlichen Diktatur zum Urknall einer anti-austrofaschistischen, ergo antifaschistischen, ergo antinazistischen sozialdemokratischen Resistance mythologisiert und dramatisch hochstilisiert. Eine Milchmädchenrechnung, die leider allzuvielen plausibel erscheint, wie eine schlussendlich auf Ersuchen unsererseits leicht entschärfte Meldung auf der Webseite des ORF bewiesen hat: „Fast alle für ‚Anschluss‘“, titelte die offizielle republikanische Medienorgel. „Monarchisten, Deutschnationale und Christlichsoziale forderten den Anschluss an Deutschland. Selbst die Sozialdemokraten drangen darauf - nach dem Motto ,Anschluss an Deutschland ist Anschluss an den Sozialismus‘. Lediglich die Kommunisten waren gegen eine Vereinigung.“ Letztendlich waren auf der ORF-Seite zwar immer noch „lediglich die Kommunisten“ gegen den Anschluss, die Monarchisten aber zumindest nicht mehr dafür. Bescheiden wird man in diesen Tagen.
"Selbst die Sozialdemokraten"? - Szenen rot-brauner Freundschaft an einem 1. Mai in den 1930ern in Wien
Auch der sozialdemokratische Chefideologe Otto Bauer, der im sicheren Brünn saß, sah trotz des Einmarsches der Nazis keinen Grund, seine seit jeher vertretene anschlussfreudige Haltung zu überdenken.
Die Parteigänger der Sozialdemokraten liefen inzwischen massenhaft zu den Illegalen Nationalsozialisten über: Deren Antisemitismus dürfte nur wenige Genossen gestört haben, war er doch damals quer durch alle Parteien en vogue: Religös unterfüttert bei der schwarzen Reichshälfte, antikapitalistisch gerechtfertigt bei den Sozialisten. Sehr anschaulich beschreibt dies der aus sozialdemokratischen Milieu stammende Zeitzeuge Günther Doubek in seinem bei Böhlau erschienenen Buch "Du wirst das später verstehen - eine Vorstadtkindheit im Wien der dreißiger Jahre": "Im Stiegenhaus waren jetzt immer öfter Hakenkreuze"

Götzzitat für den GRÖFAZ - "für Gesundheit abträgliches KZ" für Erzherzog Joseph Ferdinand
Unser Erzhaus hingegen beteiligte sich in der Folge aktiv am Kampf gegen den Nationalsozialismus: Otto selbst bemühte sich bekanntlich im amerikanischen Exil intensiv um die Anerkennung Östereichs als erstes Opfer der deutschen Aggression, während seine Brüder, die Erzherzöge Rudolph und Karl Ludwig auf Seiten der US-Armee mit der Waffe in der Hand im Einsatz waren. Dem im Lande verbliebenen Erzherzog Joseph Ferdinand, Sohn von Ferdinand IV., des Großherzogs der Toskana, und einer der Heerführer des Ersten Weltkrieges, fiel zu Hitler lediglich das Götzzitat ein. – Was findet sich dazu in der rabiatrepublikanisch dominierten deutschssprachigen „Wikipedia“? – „Die Gestapo sandte ihn für drei Monate ins KZ Dachau, was seiner Gesundheit nicht zuträglich war.“ Das wird es allerdings wohl nur in den seltensten Fällen gewesen sein: Erzherzog Joseph Ferdinand verstarb 1942 in Wien.
,Mit dem Otto, diesem Schuft, in die Kapuzinergruft!“

Anti-Habsburg-Hetze in SS-Blatt: "An mein Volk! An meine lieben Juden!"
Thronfolger Erzherzog Otto selbst befand sich 1938 noch in Belgien und war mit Hilfe diverser Kurierverbindungen ständig in Kontakt mit seinen Vertrauten in Österreich. Der ebenfalls im Widerstand tätige Sohn von Paula von Preradović, Fritz Molden, schreibt dazu in seinem Buch „Die Feuer in der Nacht – Opfer und Sinn des österreichischen Widerstandes“: „Die monarchistische Untergrundorganisation war bereits vor dem Einmarsch der Deutschen vorgeplant worden und funktionierte daher von Anfang an. Wurden Leute verhaftet, gab es sofort Ersatzmänner.“ Bis zur Besetzung Frankreichs 1940 wurde intensiver Kontakt mit Erzherzog Otto gehalten. Nach der offiziellen Auflösung der legitimistischen Vereine, darunter der „kaisertreue Volksverband“ und der „Reichsbund der Österreicher“, gingen die Ortsgruppen sofort daran, alle schriftlichen Unterlagen zu vernichten, um die Schwarz-Gelben so vor Verfolgung zu schützen.
Die Legitimisten versenken gleich nach dem Einmarsch die Kartei mit etwa 30.000 Daten von Organisations- und Gruppenleitern sowie von Funktionären, Spendern und Förderern im Wiener Donaukanal, zuhause bei den Funktionären verglühen alle Papiere, die einzelne Kaisertreue belasten könnten, in den Öfen.
Währenddessen tobt draussen bereits der braune Mob: „Der Pöbel versammelte sich vor dem Haus der Legitimisten“, schildert unser verstorbenes Ehrenmitglied Erich Feigl in seiner Habsburg-Biographie „Protokoll eines politischen Lebens“ die dramatischen Ereignisse im März 1938. „,Juda verrecke!', grölen sie in Sprechchören und skandieren unermüdlich: ,Mit dem Otto, diesem Schuft, in die Kapuzinergruft.“

Steckbrieflich suchte das NS-Regime nach "Habsburgs entartetstem Spross"
Zeitzeuge Molden zu der Frage nach der ideologischen Zuordenbarkeit der damaligen Kaisertreuen: „Die meisten Legitimisten/Monarchisten hatten sich der Vaterländischen Front angeschlossen, waren aber für die Wiedereinführung der Monarchie, weil sie darin einen möglichen Garanten dafür sahen, vom autoritären System los und zu einer neuen demokratischen Entwicklung zu kommen. Die Mehrzahl der Monarchisten waren Anhänger einer konstitutionellen Monarchie, die ein demokratisches Mehrparteiensystem auf pluralistischer Basis zur Voraussetzung hatte.“ Den schwarz-gelben Widerstand trugen ehemalige Offiziere wie Studenten, angesehene Bürger wie „kleine Leute“, Christen wie Juden. So löste sich etwa das „Corps Ottonen“, das auch jüdische Mitglieder hatte, bereits am 18. März 1938 auf und ging in den Untergrund. Es operierte nunmehr unter dem Namen „Zentralkomitee der monarchistischen Bewegungen“ und stand mit den anderen schwarz-gelben Widerstandszellen, so etwa der Gruppe um Wilhelm Hebra und jener um Dr. Willy Zemljak, in regem Kontakt. Als Hauptmann Karl Burian, Mitglied des „Corps Ottonen“, im Oktober 1938 einen Kurier erwartete, der eine Botschaft Ottos überbringen hätte sollen, flogen er und seine Kameraden auf. Nach über fünfjähriger Untersuchungshaft machte man diesen österreichischen Patrioten den Prozess. Man klagte Burian und sechs seiner Mitstreiter an, eine „gewaltsame Lostrennung der Ostmark vom Deutschen Reich“ sowie die „Errichtung einer alle früheren österreichischen Gebietsteile umfassenden Monarchie unter Otto von Habsburg“ vorbereitet und Hochverrat begangen zu haben. Während die Mitangeklagten mit langjährigen Freiheitsstrafen davonkamen, wartete auf Burian, der auch eine Sprengung des Wiener Gestapo-Hauptquartieres am Morzinplatz vorgehabt hatte, die Guillotine. Er wurde am 13. März 1944 im Wiener Landesgericht geköpft.

Wollte Gestapo-Hauptquartier sprengen: Hauptmann Karl Burian

Hier versickerte vielhundertfach österreichisches Leben: Gully in der Todeskammer des Wiener Landesgerichts – heute ein Gedenkraum
Einer der ersten Österreicher, die im Lager Dachau zu Tode kamen, war Univ.-Prof. Hans-Karl Freiherr von Zeßner-Spitzenberg, Sozialreformer und Präsident der „Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden“. Das Mitglied zahlreicher kaisertreuer Studentenverbindungen und der proto-paneuropäischen „Österreichischen Aktion“ wurde knapp nach dem Einmarsch der Deutschen in der Krypta der Kaasgrabenkirche in Wien-Grinzing verhaftet und im Viehwaggon nach Dachau gebracht. Die Frage des Lagerkommandanten nach dem Grund seiner Einlieferung beantwortete der kahlgeschorene und in Häftlingskluft gesteckte Zeßner-Spitzenberg folgendermaßen: „Weil ich im Glauben an Gott und an ein christliches Österreich unter der Führung des Hauses Habsburg die einzige Rettung für die Unabhängigkeit und Selbständigkeit meines Vaterlandes sehe.“ Diese Antwort war die falsche: Er kam in Isolationshaft und wurde schließlich so schwer misshandelt, dass er am 1. August 1938 seinen Verletzungen erlag.
„Wir Österreicher sind den Preussen gegensätzlich“

Wilhelm Hebra auf dem Gestapo-Karteibild
Wie konkret sah nun die Tätigkeit der verbliebenen Schwarz-Gelben aus? Der bereits erwähnte Wilhelm Hebra etwa – ausgebildeter Jurist und Schriftsteller aus einer alteingesessenen Wiener Arztfamilie – gründete die monarchistisch-legitimistische Organisation „Ostfrei“. Im Herbst 1938 verfasste Hebra ein allerdings nicht zur Verbreitung gelangtes Flugblatt, in dem es hieß: „Wir Österreicher sind durch Geschichte und Kultur, in Geist und Gesinnung, in Charakter und Lebensform von den anderen Deutschen unterschieden, den Preussen gegensätzlich.“ Erfolgreich konnte lange der Kontakt zu einer Engländerin aufrechterhalten werden, die Mitglied der Gruppe war. – Es gab weiters Vorbereitungen, Eisenbahntransporte zu sabotieren und einen Untergrundsender zu betreiben. Die Umsetzung dieser Pläne vereitelte im März 1939 die Verhaftung Hebras und zwanzig seiner Leute. Hebra wurde 1944 in München-Stadelheim hingerichtet.
"Schließt die Reihen!"

„... die legitimistische Bewegung als ältester und berufenster Träger des österreichischen Unabhängigkeitsgedankens“
„Die meisten Schlachten – besonders die politischen – sind verloren worden, weil das Kampffeld vorzeitig, ohne äußerste Not, geräumt wurde. (...) Wir Legitimisten haben unsere Kampfbereitschaft und Kampfkraft nicht in zwanzigjährigem Ringen gestählt, um im ersten Augenblick, der uns auf eine ernste Probe stellt, vor der erbärmlichsten Armee, der Armee der Defätisten und Überläufer, die Fahne Österreichs niederzuholen.“ So schrieb am Vorabend des Anschlusses das monarchistische Blatt „Der Österreicher“ unter dem Titel "Schließt die Reihen!".
Die Unterstützung für die „Vaterländische Front“ erklärte das Organ der legitimistischen Bewegung folgendermaßen: „Wer wie wir entschlossen ist, Österreich zu schützen und zu schirmen, ist unser Kamerad und Kampfgenosse. Wer die Freiheit Österreichs leidenschaftlich will, ist unser Bundesgenosse. In diesem Sinne begrüßen wir die im Gewerkschaftsbund organisierten, für Österreichs Unabhängigkeit eintretenden Arbeiter als unsere Freunde. In dem gleichen Sinne begrüßen wir die Bauern. (...) Sie alle mögen wissen: Wann immer sie für Österreich streiten, werden sie den Legitimismus an ihrer Seite und mitten unter ihnen finden.“
"Klagen und Ressentiments zurückstellen"

Dr. Martin Fuchs

Dr. Martin Fuchs
Sogar die extreme Linke sah am Vorabend Anschlusses ein, dass es an der Zeit war, gemeinsam mit den Kaisertreuen vorzugehen. Kommunist Matejka betont in seinen Memoiren, „... dass mir (...) in Paris Legionsrat Bischoff und Pressechef Fuchs in ganz hervorragendem Ausmaß behilflich waren.“– Norbert Bischoff war in der französischen Hauptstadt an der Botschaft tätig, Presseattaché Dr. Martin Fuchs war einer von Erzherzog Ottos Vertrauten und wichtige Kontaktperson des legitimistischen Widerstandes. „Ich berichtete ihnen über alle meine Kontakte mit Einzelpersonen und Organisationen, weil ich wusste, dass beide absolut verläßliche Österreicher waren. Ich tat dies trotz meiner Kenntnis der Beziehungen Fuchs‘ zu Otto Habsburg. Obgleich ich nicht die geringsten Sympathien für die Monarchie, für Habsburg, für eine Restauration hatte, hielt ich es für nützlich, mit jenen Monarchisten Fühlung zu halten, die Schuschniggs Guido Schmidt-Kurs ablehnten und bekämpften.“ Guido Schmidt war jener betont katholische Freund Hermann Görings, den sich Kurt von Schuschnigg um des lieben Friedens Willen zuerst als Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und nach der Demütigung in Berchtesgaden gar als Aussenminister aufdrängen hatte lassen. „Eine österreichische Volksfront“, resümiert Matejka, „(...) war nur unter Einbeziehung aller österreichischen Patrioten denkbar, die im Augenblick der höchsten Gefahr bereit waren, auch Klagen und Ressentiments zurückzustellen.“

Erzherzog Otto an Schuschnigg: "Frieden mit den Arbeiterschaft schließen"
Tatsächlich kam es bald im gesamten Bundesgebiet zu Aktionen einzelner Monarchistengruppen, die zweifellos eine nicht unbeträchtliche Strahlkraft über soziale und weltanschauliche Grenzen hinweg besessen haben müssen. Dies mag heute den einen oder anderen verwundern, tatsächlich hatte aber der Thronfolger sein Angebot der Übernahme der Staatsgeschäfte von der Aussöhnung zwischen Ständestaat und Arbeiterschaft abhängig gemacht: Otto von Habsburg sah bereits am Vorabend des Anschlusses im Gegensatz zu den Repräsentanten des Ständestaates klar die Konsequenzen der katastrophalen ideologischen Kluft in unserem Land: "Ja, ich wusste es seit der Antwort Schuschniggs auf mein Angebot, die Kanzlerschaft zu übernehmen unter der Bedingung, dass mit der österreichischen Arbeiterschaft Frieden geschlossen und die Sozialdemokraten in die Regierung einbezogen werden. Als er ablehnte, gab es kaum noch Hoffnung." (zitiert nach Feigl)
Dass diesem Appell, in Zeichen der äussersten Bedrängnis zusammenzustehen, wohl Erfolg beschieden gewesen wäre, erscheint aus heutiger Sicht plausibel: So formierte sich in Innsbruck und Umgebung im März 1939 ein monarchistisches Netzwerk mit dem schlichten Arbeitsstitel „Kampffront“, die von der Hilfsarbeiterin Kreszenzia Hell geführt wurde. In Erwartung eines baldigen Krieges gegen die Westmächte wollte die Gruppe das Terrain für eine Befreiung von Westen her bereiten. Bereits im August 1939 wurden aber 60 Mitglieder von der Gestapo verhaftet.
Auch im Süden Österreichs wurde man aktiv: Nach seiner Haftentlassung im Juni 1939 ging der wegen seiner patriotischen Haltung im Vorjahr unter entwürdigen Umständen arretierte legitimistische Klagenfurter Rechtsanwalt Dr. Karl Wanner sofort wieder daran, den Kontakt zu etwaigen Mitkämpfern zu suchen. Von Klagenfurt über Graz bis Wien knüpfte er seine Kontakte neu, sodass sich schon bald harmlos „Stammtischrunden“ genannte Zirkel bildeten, die sich die Wiedererrichtung der Donaumonarchie einschliesslich Bayerns und Südtirols zum Ziel setzten. Wanner tat sich mit der Klagenfurter Legitimistengruppe „Antifaschistische Freiheitsbewegung Österreichs“ unter der Leitung des früheren Sekretärs der Vaterländischen Front, Karl Krumpl, sowie des katholischen Geistlichen Dr. Anton Granig zusammen. Schnell rekrutierte man neue Mitglieder, und zwar sowohl Personen mit christlichsozialem als auch mit linkem Hintergrund. Die AFÖ hatte auch eine aus Kärntner Slowenen bestehende Untergruppe, und gewiß keinerlei Berührungsängste mit österreichtreuen Linken: Zusammen verteilte man Tausende von Flugblättern mit Aufrufen zur Rebellion gegen die Besatzer, schmierte in Klagenfurt und Villach „Lang lebe Österreich“ und „Österreich erwache“ - aber auch Hammer und Sichel - an die Wände – dies laut Fritz Molden gar gemeinsam mit einer in Klagenfurt stationierten Einheit der Luftwaffe, die man für die Sache gewinnen konnte – Volksgemeinschaft einmal anders ...
Massaker knapp vor der Befreiung

Dr. Eduard Steinwender
Die AFÖ erstreckte ihre Tätigkeit schließlich auch auf Tirol und die Steiermark, doch wuchs mit der Mitgliederzahl leider auch die Gefahr der Unterwanderung: 1942 flog die Gruppe auf. Man verhaftete wegen tatkräftiger Mithilfe (Geldspenden, Überlassung einer Schreibmaschine und zweier Revolver) auch die Franziskaner Dr. Eduard Steinwender aus der Steiermark sowie den Kirchenrektor desselben Ordens in Eisenstadt, DDDr. Wilhelm Pieller. Sie wurden in einem Schauprozess in Wien 1944 ebenso zum Tode verurteilt wie der bereits erwähnte Kärnter Priester Dr. Granig: "Die Angeklagten Pumpernig, Dr. Granig, Primosch, Ortner, Krumpl, Dr. Steinwender und Dr. Pieller haben in den Jahren 1941-1943 vor allem in Kärnten eine Organisation mit habsburgisch-separatistischen Zielen ins Leben gerufen oder sich an diesen staatsfeindlichen Umtrieben als Mittäter beteiligt", hieß es in der Urteilsbegründung. In der Todeszelle verfolgen die Aufrechten das Heranrücken der Roten Armee. Die Befreiung in greifbarer Nähe, treten sie zusammen mit über 40 anderen Todeskandidaten den viertägigen Fussmarsch nach Krems an, wo sie in die Haftanstalt Stein eingeliefert werden. „Als der Leiter der Anstalt, Hofrat Kodré, am 6. April die Freilassung der etwa 1800 Insassen anordnete und bereits etliche von diesen in Freiheit waren, rückten plötzlich Kräfte der SS, SA und Wehrmacht aus und richteten ,ein unvorstellbares Blutbad‘ an. NS-Leute übernahmen die Leitung des Gefangenenhauses. Am 15. April wurde der Befehl zur Hinrichtung der 46 Wiener Häftlinge erteilt. Jeweils zu zweit wurden sie von den Gestapo-Henkern im Hof der Anstalt erschossen. Angelus Steinwender und P. Kapistran Pieller waren sofort tot. Die beiden Patres fanden ihre letzte Ruhestätte in einem Massengrab in Stein“, ist auf der Internet-Seite des Franziskanerordens zu lesen.
Einige Randfiguren der Monarchistenszene kamen relativ glimpflich davon, so etwa die sechzigjährige Krankenpflegerin Mary Marschall, die Spenden für die Angehörigen der „Illegalen Österreichischen Kaisertreuen Front“ gesammelt hatte. Allein diese Tatsache genügte für eine Anklage wegen des "Verbrechens nach dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien". Sie wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Aufgrund von Spenden an die genannte Gruppe zu acht Monaten Kerker verurteilt wurde die 64jährige Wienerin Theresia Albrecht.
Monarchistin Theresia Albrecht auf einem Karteibild der Gestapo
Sektionsrat Eduard Tomaschek hatte „Glück im Unglück“: Er wurde nach dem Einmarsch der Deutschen wegen Mitgliedschaft im „Eisernen Ring“ aus dem Staatdienst entlassen, am 21. März 1938 verhaftet und nach Dachau gebracht. Nach seiner Entlassung aus dem KZ wurde er mehrmals neuerlich inhaftiert und am 24. November 1943 wegen "Nichtanzeige des Vorhabens eines Hochverrates" (Kenntnis über die legitimistische Gruppe Müller - Thanner) vom Volksgerichtshof zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Vom „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ eher unerklärlicherweise dem „katholisch-konservativen Lager“ zugerechnet wird der Wiener Lehrer Karl Polly. Dieser gründet Anfang 1940 die legitimistische „Österreichische Arbeiterpartei“, die aber schon bald aufgedeckt wird. Der Volksgerichtshof verhaftet das Ehepaar Polly und 81 ihrer Mitstreiter, er selbst wird zu 12 Jahren Zuchthaus wegen „Hochverrat“ verurteilt. Ein Grossteil der anderen Verhafteten wird hingerichtet.
„Monarchisten und Kommunisten als einzige aktiv tätig“
Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses bescheidenen Artikels umfassend auf alle Gruppen und Personen aus dem schillernden prohabsburgischen Lager einzugehen, die sich dem Kampf gegen den Nazismus verschrieben hatten - zusammenfassend lässt sich aber konstatieren, dass es etwa einem Dutzend monarchistischer Widerstandsgruppen gelang, in den Untergrund abzutauchen. Die Vielfalt der kaisertreuen Szene der damaligen Zeit – manche würden sagen: ihre Zersplittertheit, jedenfalls aber das Fehlen einer zentralen Planung und Führung - sollte sich schließlich als Vorteil herausstellen: Die Aushebung der monarchistisch-legitimistischen Zellen dauerte bis Ende 1942, nur sukzessive und listenreich konnten sie durch eingeschleuste Agenten des NS-Regimes enttarnt werden. Zeitzeuge Fritz Molden: “Es ist interessant, festzustellen, dass die Monarchisten, ungleich den Kommunisten, die damals als einzige ebenfalls aktiv tätig waren, gleichzeitig stets mehrere, voneinander völlig unabhängige Netze operieren ließen, sodass es beispielsweise möglich war, die Gruppe Müller völlig unberührt weiterexistieren zu lassen, während bereits drei andere Gruppen von der Gestapo aufgedeckt und vernichtet worden waren; ein Zeichen weitgehender Erkenntnisse und Erfahrungen im illegalen Kampf, die andere erst viel später und nach schweren Opfern gewonnen haben.“
Molden schätzt, dass bis 1942 zwischen 4000 und 4500 Monarchisten verhaftet wurden. Achthundert bis tausend von ihnen wurden hingerichtet, von der Gestapo zu Tode gequält bzw. in den Konzentrationslagern umgebracht, die Überlebenden isolierte man sozial wie beruflich. Diesem ungeheuren Opfer, das die Kaisertreuen für Österreich brachten, ist es neben dem bald schon folgenden Niedergehen des Eisernen Vorhanges geschuldet, dass nach dem Krieg eine effektive politische Arbeit für eine konkrete Restauration kaum mehr möglich war. Auch unter dem Aspekt dieses personellen wie logistischen Aderlasses in der Nazizeit ist wohl die Verzichtserklärung Otto von Habsburgs zwei Jahrzehnte später zu sehen.
„... am ehesten Zeugen der Opfertheorie“
Am 8. März 2008 schrieb Anton Pelinka in der "Presse": „Monarchisten und Kommunisten - letztere zumindest bis zum August 1939, bis zum Hitler-Stalin-Pakt - entzogen sich dem Mitläufereffekt. Aus diesen beiden Gruppen kam organisierter Widerstand, der aber mangels Größe als heroische Handlungen ohne unmittelbare politische Folgen gewertet werden muss. Aus den beiden großen Lagern - dem sozialistischen und dem katholisch-konservativen - kam, zunächst jedenfalls, kein organisierter Widerstand. Es verdient, festgehalten zu werden, dass Kommunisten und Monarchisten - die am ehesten als Zeugen der ,Opfertheorie‘ gelten konnten – in der Politik der Zweiten Republik nur geringe (Kommunisten) oder keine (Monarchisten) politische Bedeutung erlangen konnten.“ - Im Klartext bedeutet das: Der Widerstand dieser Österreicher war erbittert und enorm; da sie aber heute im Parlament nicht vertreten sind, wird ihr Opfer von den Machthabern verschwiegen.
Das Gedächtnis der meisten Menschen ist kurz: Obwohl massgebliche Persönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie gegen ein Wiedererstehen eines freien Österreich agitierten und im Ständestaat die Parteigänger der österreichischen SDAP in Scharen zur illegalen NSDAP überliefen, besitzt die SPÖ heute die Dreistigkeit, den Widerstand gegen das NS-Regime in einen hauptsächlich sozialistischen umzulügen. Dies geschieht, indem man die eigene Niederlage gegenüber der ständestaatlichen Diktatur zum Urknall einer anti-austrofaschistischen, ergo antifaschistischen, ergo antinazistischen sozialdemokratischen Resistance mythologisiert und dramatisch hochstilisiert. Eine Milchmädchenrechnung, die leider allzuvielen plausibel erscheint, wie eine schlussendlich auf Ersuchen unsererseits leicht entschärfte Meldung auf der Webseite des ORF bewiesen hat: „Fast alle für ‚Anschluss‘“, titelte die offizielle republikanische Medienorgel. „Monarchisten, Deutschnationale und Christlichsoziale forderten den Anschluss an Deutschland. Selbst die Sozialdemokraten drangen darauf - nach dem Motto ,Anschluss an Deutschland ist Anschluss an den Sozialismus‘. Lediglich die Kommunisten waren gegen eine Vereinigung.“ Letztendlich waren auf der ORF-Seite zwar immer noch „lediglich die Kommunisten“ gegen den Anschluss, die Monarchisten aber zumindest nicht mehr dafür. Bescheiden wird man in diesen Tagen.

"Selbst die Sozialdemokraten"? - Szenen rot-brauner Freundschaft an einem 1. Mai in den 1930ern in Wien
