Erzherzog Carl Ludwig tot

Einhundertein Kanonenschüsse im Wiener Prater, aber auch in allen Garnisonsstädten unserer damaligen größeren Heimat, gaben von Carl Ludwigs Geburt Kunde. In Baden versammelte sich damals eine jubelnde Menschenmenge vor der Kaiserresidenz. In der Badener Synagoge hielt Rabbiner Dr. Reich einen Festgottesdienst. Am 12. März folgte schließlich ein von Kardinal-Fürsterzbischof Dr. Piffl zelebriertes Tedeum im Wiener Stephansdom. Religöser Alltag in der Monarchie, gelebte Toleranz, die man in den folgenden kaiserlosen Jahrzehnten schmerzlich vermissen sollte ...

Das bayrische Königspaar fungierte im März 1918 als Taufpaten des kleinen Erzherzogs, des fünften Kindes von Kaiser Karl und Kaiserin Zita.

„Es ist mir ein Herzensbedürfnis, anlässlich des für mich und mein Haus hocherfreulichen Ereignisses (...) für solche Personen, die sich gegen das Strafgesetz vergangen haben und rücksichtswürdig erscheinen, Gnade und Milde zu üben.“ – So der Wortlaut der anlässlich Karl Ludwigs Geburt durch Kaiser Karl erlassenen Amnestie. Bald jedoch sollte die Monarchie zerfallen.

Nach 1918 führte Erzherzog Carl Ludwigs Weg wie der seines Bruders Otto über Madeira, Lequeitio und Stenokerzeel. In Belgien (Brüssel und Löwen) erwarb er mehrere akademische Grade: Jenen des Doktors der Rechte, einen solchen der Staatswissenschaften sowie der  Wirtschafts- und der Sozialwissenschaften. Im kanadischen Quebec setzte er seine Studien fort, bis er schliesslich in die amerikanische Armee eintrat, um mit der Waffe in der Hand an der Seite seines Bruders Rudolf für die Befreiung Österreichs von der Nazidiktatur zu kämpfen. Im Auftrag von Erzherzog Otto hatte Carl Ludwig zudem die Aufgabe, von Lissabon aus Kontakt mit der ungarischen Regierung herzustellen: „Zweck des Unternehmens war es, Ungarn so rasch wie möglich aus dem tödlichen Bündnis mit Deutschland herauszulösen“, erinnerte sich Carl Ludwig in einem Buch Erich Feigls.

Nach der erfolgreichen Befreiung Österreichs und der Wiedereinführung der Habsburgergesetze durch die Regierung Renner musste Carl Ludwig unser Land wieder verlassen. Er ging im Auftrag der „Societé Genérale de Belgique“ zunächst nach New York.

Am 17. Jänner 1950  fand schliesslich seine Vermählung mit Prinzessin Yolande de Ligne statt. Der Ehe entstammten vier Kinder, darunter Erzherzog Christian, der Prinzessin Marie Astrid, die Schwester des regierenden Großherzogs von Luxemburg, heiratete. Zusammen mit Christian und seinem Bruder Felix kämpfte Carl Ludwig auch – vergeblich – um Restitution eines Teils des von der oktroyierten Republik enteigneten habsburgischen Vermögens.

SKH Erzherzog Carl Ludwig unterschrieb niemals eine Verzichtserklärung. Er starb am 11. Dezember 2007 in Brüssel und soll am 12.Jänner in der Wiener Kapuzinergruft seine letzte Ruhestätte finden. – Reqiescat in pacem!