Aus der Österreichischen Bundesverfassung:

Artikel 9a.
(1) Österreich bekennt sich zur umfassenden Landesverteidigung. Ihre Aufgabe ist es, die Unabhängigkeit nach außen sowie die Unverletzlichkeit und Einheit des Bundesgebietes zu bewahren, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der immerwährenden Neutralität. Hiebei sind auch die verfassungsmäßigen Einrichtungen und ihre Handlungsfähigkeit sowie die demokratischen Freiheiten der Einwohner vor gewaltsamen Angriffen von außen zu schützen und zu verteidigen.
(2) Zur umfassenden Landesverteidigung gehören die militärische, die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Landesverteidigung.

Man sollte sich diesen Artikel der österreichischen Bundesverfassung wahrlich langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Bleibt einem dabei nicht ein bitterer Nachgeschmack?

Beamtentum und Armee waren einst die Säulen der Monarchie, der Kaiser selbst der Erste Beamte im Staate und Oberster Befehlshaber seiner Streitkräfte. Beamte und Soldaten standen im Dienste des Kaisers und des Staates und waren frei vom Zugriff parteiideologischer Intervention. Die ungeteilte Treue beider gehörte Kaiser und Vaterland.

Mit dem Ausbruch des republikanischen Zeitalters sollte sich das aber gewaltig ändern. Die Republik, was ja soviel wie die "öffentliche Sache" bedeutet, wird von den Parteien nach Parteiprinzipien beherrscht: vom Bundespräsidenten über die Bundesregierung, den Parlamentsabgeordneten, den Landtagen, den Gemeinderäten bis hin zur einfachen Frau oder zum einfachen Mann im Lande. Nicht das Gemeinwohl des Volkes, nicht Österreich sind wichtig sondern die Republik und ihre Parteien!

Im "Staat, den keiner wollte", in der Republik Deutschösterreich, die nach dem Wunsche Karl Renners und dem Artikel 2 der Proklamation, ohne Rücksichtsnahme auf den Volkswillen, "ein Bestandteil der Deutschen Republik" sei und wo "besondere Gesetze die Teilnahme Deutschösterreichs an der Gesetzgebung und Verwaltung der Deutschen Republik sowie die Ausdehnung des Geltungsbereiches von Gesetzen und Einrichtungen der Deutschen Republik auf Deutschösterreich" regelten, entstand als "Übergangsheer" die Volkswehr. So führten noch Soldaten der alten österreichisch-ungarischen Armee Kampfeinsätze im Kärntner Abwehrkampf durch. Das Diktat von Saint Germain aber schrieb Österreich ein Berufsheer von nur 30.000 Mann vor, das alsbald zum Spielball der Politik wurde. Der Schreck über die unseligen Vorgänge der Februarkämpfe 1934, während denen das Bundesheer auf Sozialdemokraten schoss, steckt diesen noch heute tief in den Knochen. Wie sonst ist es sich zu erklären, dass selbst im 21. Jahrhundert Sozialdemokraten vehement gegen alles "Berittene", ob nun in der Polizei oder Armee, aus Furcht vor einer Wiederholung des Jahres 1934, sind.

Ruhmvolles kann man über die Soldaten der Ersten Republik nicht viel sagen, außer, dass sie, dem Befehl gehorchend, auf Österreicher schossen aber als es darum ging, den Bundesstaat Österreich vor dem Einmarsch Nazideutschlands zu schützen, auf Geheiss der Bundesregierung, sich nicht zur Wehr setzten, um so "das Vergießen deutschen Blutes" zu vermeiden. So wurde Österreich Adolf Hitler wehrlos preisgegeben!

Dabei ist der Österreicher ein tapferer Soldat, ob zu Wasser oder zu Land, der seit Jahrhunderten für seinen Kaiser und das Reich sein Blut auf unzähligen Schlachtfeldern vergossen hat und selbst nach dem großen Morden des Ersten Weltkrieges unbesiegt nach Hause zurückgekehrt ist.

Als das zweite republikanische Zeitalter anbrach, und unsere Landsleute nach sieben Jahren Diktatur und sechs Jahren Weltkrieg in einer deutschen Wehrmacht mit preußischer Tradition samt bedingungsloser Kapitulation langsam heimkehrten war eitel Wonne und Freude. Parteien aller Schattierungen, einst einander spinnefeind, zogen an einem Strang, um Österreich zu entdeutschen, sogenanntes Deutsches Eigentum durch Verstaatlichung dem Zugriff der Sowjets zu entziehen und sich im "glücklich ist, wer vergisst" zu üben. Unter solchen Umständen erhob sich der Phönix aus der Asche und die Zweite Republik wurde geboren. Bevor sie sich aber wiederum ihres bereits im Westen aufblühenden Österreichtums besinnen konnte, nahm Karl Renner im Osten des Landes das Steuer des Staates in seine knorrige Hand, küsste devot die Füße des großen Genossen Stalins, führte die Verfassung von 1920 wieder ein und kapselte somit Österreich von seiner eigenen Geschichte durch die wiederholte Vetreibung der Habsburger (Erzherzog Otto war bereits in Tirol eingereist) noch einmal ab.

So gesehen war das Bundesheer der Zweiten Republik 1955 eine Missgeburt. Ungeliebt, da durch den Artikel 9a quasi aufgezwungen. Die Linke sah in ihr (noch immer) das Mordinstrument von 1934. Die Rechte wollte, wohl erfolglos, auf alte österreichische Traditionen zurückgreifen. In der Tat hatten kampferfahrene Frontsoldaten der deutschen Wehrmacht als Unteroffiziere und Ausbilder im jungen Bundesheer das Sagen. Die Republik, die 1945 aus dem Ei kroch, tat sich mit irgendeiner Traditionspflege im altösterreichischen Sinne schwer. Und wieder fing es an: Die Republik und ihre Parteien waren wichtig und mussten verteidigt werden, eine militärische Tradition aber, an der sich die jungen Wehrmänner hätten aufrichten können, gingen in der allgemeinen Furcht vor Wiederbetätigung und k.u.k. Monarchismus in einer Melange von nichtssagenden Äußerungen unter.

Der Kleinstaat war meist Keinstaat, nur Fälle machten ihn der Welt öffentlich, aber nicht im guten Sinn. In den 80er Jahren wurde noch von der Ostblockisierung zumindest Ostösterreichs gesprochen, von Austrosklerose. Die Gefahren waren und sind Provinzialismus und Mininationalismus. Trittbrettfahrermentalität. Der Geschichtslosigkeit und Gesichtslosigkeit wurde gern ein Großes und Ganzes gegenübergestellt, etwa eine Donauföderation oder ein Großdeutschland oder ein Tor zum Balkan oder ein Mitteleuropa. Bilder von der Drehscheibe zum Osten und der Brücke waren beliebt.

Der Wehrmann tat in all dem seinen Dienst herzlichst ungern. Er sah ihn als sinnlos an und die Parteien gaben ihm sogar recht! Koalitionsregierung nach Koalitionsregierung überbot sich in der budgetären Unternährung einer Institution, zu der sie sich verpflichtet hat, ja spekulierte oft genug laut mit seiner Abschaffung!

Dazwischen immer wieder die österreichische Malaise und Gegenbilder wie Wien um 1900, Österreich als Kulturgroßmacht, das rote Wien der Ersten Republik, die Schweiz in Not- und Übergangszeiten als Vorbild und Lehrmeister. Die kleine Schweiz, die um vieles mehr als Österreich für ihre Armee und Luftwaffe ausgibt. Die kleine Schweiz, an die man sich schon einmal anbiederte, ob sie doch, bitteschön, unseren Luftraum mitverteidigen könnte, bittesehr, dankeschön, G’schamster Diener!

„Ich gelobe, mein Vaterland, die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen. Ich gelobe, den Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden Treue und Gehorsam zu leisten, alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau zu befolgen und mit allen meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen.“

Wenn schon die Republik keinen Stolz hat und sich nicht schämt, auf schäbige Weise das Heer im Stich zu lassen, sollte sie sich zumindest daran erinnern, dass unsere Soldaten eine Aufgabe haben, zu der sie verfassungsmäßig verpflichtet sind, für die sie notfalls ihr Leben lassen müssen. Die Republik hat die Pflicht, ihren Soldaten auf die bestmögliche Weise beizustehen! Und die Politiker haben die Pflicht wenigstens soviel Rückgrat zu zeigen, um es ihren Parteigängern klar zu machen!

Alles andere käme einem Verrat an uns allen gleich!